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Jugend musiziert: Anmerkungen zum zweiten Preisträgerkonzert im Ordensteinsaal

„Jugend musiziert“, das wohl renommierteste Musikförderprojekt unseres Landes, lädt seit vielen Jahren junge Musikerinnen und Musiker zum Mitspielen ein. Für viele von ihnen ist es oder war es aus späterer Sicht der erste Schritt in ein erfolgreiches und erfüllendes Musikerleben. Ziel ist es jedoch nicht in erster Linie, Virtuosen und zukünftige Stars zu „produzie­ren“, sondern junge Menschen damit vertraut zu machen, dass sich dauerhafter Er­folg nur durch beständiges Anstrengen einstellt.
„Jugend musiziert“ vollzieht sich je­des Jahr auf Regionalebene mit der Möglichkeit zur Weiterleitung auf Landes- oder gar Bundesebene, wenn Höchstbewertungen erreicht werden. Dabei werden insgesamt acht Altersstufen berücksichtigt, um eine valide Vergleichsmöglichkeit zu erreichen, dieses Jahr von der Altersgruppe (AG) Ia (geb. 2015, 2016 und später) bis hin zur AG VII (geb. 1996 bis 2001).
Nach Abschluss des hiesigen Regionalwettbewerbs, der, 1964 zum ersten Mal ausgetragen, nach den Pandemiejahren in seinem 60. Jubiläumsjahr wieder unbeschränkt stattfinden konnte, fand im Ordensteinsaal des Badischen Konservatoriums ein Konzert der Trägerinnen und Träger der 1. Preise in den Kategorien Klavier, Harfe, Gitarre, Gesang und Streicherensemble statt.
Von den zahlreich vertretenen Pianistinnen und Pianisten machte Evan Wang (AG III, geb. 2009 u. 2010) den flotten Anfang mit Gershwins 1917 entstandenem Rag „Rialto Ripples“. In seiner Alterstufe kam auch Vincent Henry Ripcke angemessen perkussiv und pointiert mit dem Allegro con spirito aus dem ab 1951 komponierten elfteiligen Zyklus „Musica ricercata“ von György Ligeti zu Gehör. In der jüngsten Altersgruppe Ia war Lena Maul Oberdorf mit Werken von Haydn und Kabalewski („Clowns“ Nr. 20 aus dem Kinderzyklus op. 39) präsent, die sie tapfer vortrug.
In der am stärksten vertretenen AG Ib (geb. 2013 u. 2014) zeigten Melina Du mit der fein abgestimmten „Kleinen Studie“ (Nr. 14 aus Schumanns „Album für die Jugend“ op. 68), Nikolai Hartmann mit zwei Stücken aus Tschaikowskis „Jugendalbum“ op. 39 und Irene Xinyi Wang mit der „Süßen Träumerei“ aus demselben Zyklus ihr Können. In der AG II (geb. 2011 u. 2012) machten Zongyi Xu mit Isaak Berkowitschs „Paganini-Variationen“ und Eva Negadova mit Fazil Says frechem „Alla Turca Jazz“ auf sich aufmerksam. Die AG V (geb. 2005 u. 2006) war mit Niko Jablonski vertreten, der mit Prokofieffs berühmter „Suggestion diabolique“ op. 4/4 nicht vollständig überzeugen konnte und mit der verrückten perkussiven Gewalt des russischen Virtuosen streckenweise noch überfordert war.
Die Harfenkunst war mit Sia Li Lim (AG Ib) und Luisa Hunger (AG II) vertreten. Die Erstere intonierte das wie ein Kinderlied anmutende „Chanson pour Martine“ der französischen Harfenistin Annie Challan, ihre ältere Kollegin meisterte das von einem anonymen Komponisten des 13. Jahrhunderts geschriebene „Alfonso XII el Sabio“. Die Gitarristen hatten sich ausschließlich der populären Musik verschrieben. Jin Kathrin Liu (AG Ib) intonierte „Kickoff“ aus den „20 Blues-Stücken“ von Jan N. M. van den Langenberg, Joanna Loucopoulos (ebenfalls AG Ib) antwortete ebenso versiert mit dem „Tango Español“ von Joep Wanders. Ada Deniz Ayhan schaltete daraufhin seine E-Gitarre an und überraschte mit Pat Ballards berühmtem „Mister Sandman“, mit dem die „Chordettes“, ein amerikanisches weibliches Gesangsquartett der 1950er und 1960er Jahre, ihren größten Hit „einfuhren“.
Mit Teresa Tampe (AG V) war denn auch der Gesang vertreten. Sie sang aus dem „Schwäbischen Liederbuch“ von Wilhelm Weismann „Das verlassene Mägdelein“ und „Gestern Abend in der stillen Ruh“. Besondere Momente ergaben sich auch mit den drei aufgebotenen Streicherensembles. Die AG Ia und Ib waren dabei mit zwei Cello-Duos vertreten: Johanna Maria Fritz und San Yu Lim bzw. Clara Scherer und Elisa Pia Stipa, die mutig und unbeirrt Werke des Engländers Joseph Reinagle und Jacques Offenbach bzw. Joseph Bodin de Boismortier vortrugen. Die AG Ib war mit einem Violintrio angetreten (Julius Müller, Romeo Popp und Lotta Klinge), das mit „Ay, linda amiga“ aus der 12 spanische Volkslieder umfassenden Sammlung „Viva España y Sevilla!“ von Hans Joachim Teschners eine durchaus südliche Atmosphäre herbeiklingen ließ.
Dank und Anerkennung gebührt neben diesen jungen Musikerinnen und Musikern insbesondere auch all denen, die diese musizierende Jugend unterstützen, nicht zuletzt den Lehrkräften, die sie, oftmals in jahrelanger kontinuierlicher Arbeit, an ein solches Leistungsvermögen heranführen.

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Ansprechende Leistungen beim Wettbewerb "Jugend musiziert"

Zum mittlerweile 60. Mal lud der Wettbewerb „Jugend musiziert“ Kinder und Jugendliche dazu ein, ihr Können von einer Fachjury bewerten zu lassen – und erfreuliche Leistungen gab auch es beim kürzlichen Regionalwettbewerb: Zwölf junge Solistinnen und Solisten, dazu ein Cello-Quartett stellten sich beim Konzert der ersten Preisträger in den Fächern Klavier, Harfe, Gesang und Streichensemble vor.
Völlig zu Recht wies außerdem Klavierprofessorin Sontraud Speidel, Vorsitzende des Regionalausschusses Karlsruhe-Stadt, auf die Bedeutung des Wettbewerbs hin: Er gehöre zu den Biografien vieler „Persönlichkeiten des Musiklebens“, außerdem sei es beachtlich, wie es den jungen Menschen immer wieder gelinge, sich intensiv mit einem „stilistisch vielfältigen Programm“ auseinander zu setzen und das Üben trotz der schulischen Belastungen in den Tagesablauf zu integrieren.
Den größten Anteil stellten die Altersgruppen I bis III, das sind Schülerinnen und Schüler etwa zwischen acht und vierzehn Jahren; die meisten davon spielen Klavier.
Eröffnet wurde die Matinee in Schloss Gottesaue von Suronjona Saleh, die in Liszts Etüde As-Dur (op. 1,9) die Melodie mit bemerkenswerter Anmut herausarbeitet. Den humorvollen Ton in „Dog Philip Goes for a walk“ (von Jiri Treml) trifft Grace Sophia Navratil, und hörenswert ist auch die Darbietung von Nika Hoos, die sich mit dem Kopfsatz aus Beethovens Klaviersonate G-Dur (op. 49,2) auseinandersetzt: Die rechte Hand läuft rund, das Seitenthema kommt weich, und auch der eine oder andere kleine Hänger kann sie nicht aus der Ruhe bringen.
Ein Dialog im beherzten Zusammenspiel gelingt den beiden Geigerinnen Amalia Marie Koch und Marlene Braun in „Cappricio“ d-moll von Johann Vierdanck, und Jakob Ma entwickelt in Dmitri Kabalewskis „Novelette“ (aus: Children‘ s Pieces) über einem pendelnden Bass eine ansprechende musikalische Linie.
Ein erster Höhepunkt im Programm sind zwei Rumänische Volkstänze von Béla Bartok („Der Stampfer“ und „Schnelltanz“), dargeboten von Lucia Lohr: Technisch souverän spielt sie, und sie versteht es, ihren Anschlag zu differenzieren und etliche Farben herauszuarbeiten. Das gilt auch für auch Guanyue Luca Zhang in Edvard Griegs „Zug der Zwerge“ (aus: „Lyrische Stücke“): Die Rhythmen und die Figuren kommen präzise; die lyrische Episode klingt weich und sinnlich.
Feine Bewegungen entlockt auch Maya Sauer ihrer Harfe in „Wildflowers“ von Kathryn Cater; Spielfreude und Leichtigkeit zeigt Kevin Ma in Claude Débussys vitalem „Golliwog‘s Cakewalk“ (aus: „Children‘ s Corner“), und ein ausgesprochen zart gesponnenes „Fantasiestück“ von Robert Schumann (op. 12,3) gelingt Leyla Ida Dahlhaus.
Das Fach Gesang ist vertreten durch die junge Sopranistin Eren Ehmann (begleitet von der Pianistin Natalia Zagalskaia): Ihre feine und bewegliche Stimme ist bei „Premiere Danse“ von Jules Massenet (aus: „20 Mélodies“) bestens aufgehoben. Äußerst souverän präsentiert danach Ida Wißmann (Klavier) die technischen Hürden in der Toccata es-moll von Aram Chatschaturjan.
Große Freude am gemeinsamen Spiel hat auch das junge Cello-Quartett mit Gustav Kapell, Artsiom Hubashyn, Luise Galm und Ella Köhrer; die vier beenden den Vormittag mit Stücken von Jean Sibelius und George Gershwin.
(Weitere Preisträgerkonzerte gibt es am 12. Februar um 17 Uhr im Ordensteinsaal des KONS und am 5. März um 11 Uhr im Kleinen Haus des Staatstheaters).

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Berliner Philharmoniker ab 2026 wieder in Salzburg/ Neuausrichtung in Baden-Baden

(red.) Die Osterfestspiele Baden-Baden werden ab 2026 künstlerisch neu ausgerichtet: Dann nämlich kehren die Berliner Philharmoniker zu Ostern an ihrem ursprünglichen Festspielort – Salzburg – zurück. Dies teilte das Baden-Badener Festspielhaus in einer Presseerklärung des Intendanten Benedikt Stampa und der Intendantin der Stiftung Berliner Philharmoniker, Andrea Zietzschmann, heute mit.
„Wir sind den Berliner Philharmonikern sehr dankbar, dass sie die Osterfestspiele Baden-Baden mit uns aufgebaut und bis 2025 dann zwölfmal verbunden mit Opern-Neuinszenierungen und vielen Konzerten gestaltet haben“, wird Stampa zitiert. Für die sieben jährlichen Baden-Badener Festivals in den Bereichen Musik, Oper und Tanz habe das Orchester wichtige Impulse gegeben, die man in Zukunft mit anderen künstlerischen Partnern auch zu Ostern weiter entwickeln möchten. „Künstlerinnen und Künstler müssen sich verändern, aber sollten auch wissen, an welchen Orten sie jederzeit willkommen sind. Ein solcher Ort ist und bleibt Baden-Baden auch für die Berliner Philharmoniker“, so der Intendant weiter.
Zunächst einmal darf das Publikum aber noch mit den Berliner Philharmonikern die Strauss-Oper „Die Frau ohne Schatten“ und das musikalische Wien um 1900 bei den kommenden Osterfestspielen (vom 1. bis 10. April) erleben.
Das Orchester werde auch nach 2025 in Baden-Baden zu Gast sein, heißt es in der Mitteilung; ein entsprechendes Konzept sei in gemeinsamer Bearbeitung. Geplant sind jährliche Konzert-Residenzen der Berliner Philharmoniker im Festspielhaus Baden-Baden. Damit bleibt die seit Anfang des 20. Jahrhunderts noch aus den Gründungszeiten des Orchesters bestehende Verbindung zwischen dem Ensemble und der Festspielstadt im Schwarzwald erhalten.
Man sei den Unterstützerinnen und Unterstützern und dem gesamten Team des Festspielhauses Baden-Baden „sehr dankbar für die langjährige und freundschaftliche Zusammenarbeit bei diesen besonderen Festspielen“, so Andrea Zietzschmann. „Wir freuen uns auf die kommenden drei Osterfestspiele an der Oos und in diesem Jahr auf ein ambitioniertes Festspielprogramm mit der Neuproduktion von „Frau ohne Schatten“.
2013 waren die Berliner Philharmoniker – unter ihrem damaligen Chefdirigenten Simon Rattle – von Salzburg an die Oos gewechselt. Dort fanden sie offensichtlich jenes Umfeld, das sie benötigten, um sich in gewünschter Weise präsentieren zu können: neben den großen szenischen Opernproduktionen, die bis zu vier Mal auf dem Programm standen, waren dies auch Kammerkonzerte in unterschiedlichsten Formationen an verschiedenen Spielstätten (ein besonderes Markenzeichen des Festivals). Zudem passte das gut ausgebaute Baden-Badener Education-Programm zu den ebenfalls erstklassigen Education-Programmen der Berliner Philharmoniker; in den ersten Jahren der Zusammenarbeit waren neben der großen Opernproduktion regelmäßig auch Kinderopern zu erleben. Und anders als in Salzburg zum damaligen Zeitpunkt war in Baden-Baden auch die Finanzierung gesichert.

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Händelfestspiele: Cencic sagt ab/ Yuriy Mynenko singt Ottone

(red.) Wegen eines Muskelrisses am Fuß muss Max Emanuel Cencic für die geplante Produktion „Ottone“ bei den kommenden Händel-Festspielen am Staatstheater Karlsruhe absagen. Stattdessen ist der ukrainische Countertenor Yuriy Mynenko in der Titelrolle der diesjährigen Neuinszenierung zu erleben. Dies teilte das Badischen Staatstheater mit. Yuriy Mynenko, ukrainischer Countertenor, studierte Gesang an der Nationalen Antonina-Neschdanowa-Musikakademie in Odessa und ist an Spielorten wie den Salzburger Festspielen, dem Bolschoi-Theater, der Oper Zürich, dem Theater an der Wien, dem Théâtre des Champs-Elysées, dem Concertgebouw in Amsterdam und den Internationalen Händelfestspielen in Göttingen zu Gast. Er arbeitete unter anderem mit Dirigenten wie Teodor Currentzis, Diego Fasolis, Andris Nelsons, Vasily Petrenko, George Petrou und Vladimir Jurowski zusammen. Bei den 45. Händelfestspielen in Karlsruhe wird Yuriy Myenko sein Rollendebüt als Ottone in Händels Oper „Ottone, Re di Germania“ geben.
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Händel-Festspiele 2023 beleuchten den Komponisten im Kontext seiner Zeit

Das hatte man vermisst in den vergangenen Jahren: Ein Festival, das über die reinen Händel-Aufführungen im gewohnten Format hinausgeht.
Vielen Besuchern der Karlsruher Händel-Festspiele ist höchstwahrscheinlich noch die aufwändige Produktion „Radamisto“ in historischen Kostümen und barocker Gestik am Staatstheater Karlsruhe in Erinnerung; sie sorgte im Jahr 2009 für überregionales Aufsehen. Das letzte Festival vor dem Corona-Lockdown griff im Symposium der Händel-Akademie dann den Tolomeo-Stoff auf und betrachtete ihn in seinem geschichtlichen Kontext - dabei das Opernschaffen von Domenico Scarlatti in betrachtend, der sich diesem Thema ebenfalls zuwandte.
Nun, da sich Staatstheater-Intendant Ulrich Peters erstmals gemeinsam mit Operndirektorin Nicole Braunger verantwortlich für die Händel-Festspiele zeichnet, steht tatsächlich Besonderes auf dem Programm beim kommenden Festival vom 17. Februar bis 3. März 2023. Dass dem Intendanten Händel wirklich „ein Anliegen ist“ (schon zwischen 1997 und 1999 leitete er die Karlsruher Festspiele), war auf der gestrigen Pressekonferenz deutlich zu spüren: Denn nicht nur Händel, sondern auch seine Zeitgenossen werden in den Blick genommen. Erleichternd kommt hinzu, dass im Kulturleben nach all den Unwägbarkeiten der vergangenen Jahre nun fast wieder Normalbetrieb herrscht.
Die markgräfliche Krone, welche den Programmflyer ziert, verweist bereits auf Opulenz und höfische Pracht – und so steht diesmal als Hauptproduktion die Händel-Oper „Ottone, Re di Germania“ auf dem Spielplan (Premiere: 17. Februar 2023). Die Inszenierung dieses Dramas rund um Liebeswirren und Intrigen übernimmt Carlos Wagner; die Titelpartie singt Max Emanuel Cencic.
Eher sparsam hat Händel hier zwar die Instrumentierung gehalten, doch umso mehr, so verspricht Nicole Braunger, „bleibt Raum für Seelenschilderungen“. Wieder aufgenommen wird zudem die Oper „Hercules“, nun jedoch mit Kristina Hammerström als eifersüchtige Gattin Dejanira, und das Symposium der Händel-Akademie (künstlerische Leitung: Thomas Seedorf) betrachtet am 18. Februar unter dem Motto „Händels barockes Mittelalter“ das Interesse des Komponisten und seiner italienischen Kollegen an antiken Stoffen.
Das Gala-Konzert „Metastasio vincit omnia“ (ebenfalls am 18. Februar) gilt dem berühmtesen Textdichter seiner Zeit, Pietro Metastasio, genauer: dem Opernstoff „Siroe, re di Persia“. Dieser Stoff wurde nicht nur von Händel, sondern auch von Johann Adolph Hasse und Nicolo Antonio Porpora nach Metastasios Libretto vertont. Die Leitung hat Attilio Cremonesi; er wird ebenso beim Oratorium „La Resurrezione“ (26. Februar) am Pult stehen. Ihm zur Seite musiziert das Händelfestspielorchester Halle.
Diese Kooperation ist der Karlsruher Händel-Gesellschaft zu verdanken, die ansonsten erneut den Jugendwettbewerb veranstaltet (Preisträgerkonzert am 19. Februar). Auch ein Ökumenischer Festgottesdienst, bei dem Händels Musik liturgisch eingebunden wird, steht am 26. Februar in der Evangelischen Stadtkirche auf dem Programm. Dieser Gottesdienst, ebenfalls eine Initiative der Händel-Gesellschaft, ist auch im Live-Stream zu verfolgen.
Das Kammerkonzert der Deutschen Händel-Solisten (20. Februar) widmet sich dem Thema „Händel und Rom“; das Konzert „Aliens in London“ (22. Februar, Christuskirche) mit dem Ensemble „Les Abbagliati“ beleuchtet die Musikstadt London und ihre Künstler verschiedenster Herkunft.
Unter der Leitung von Christian-Markus Raiser stellen das Karlsruher Barockorchester und der CoroPiccolo Händels „Dettinger Te Deum“ dem Werk von Jan Dismas Zelenka gegenüber (28. Februar), und ein besonderes „Schmankerl“ verspricht Ulrich Peters mit dem Abend „Barock meets Jazz“ (25. Februar): Hier sollen barocke Themen unter anderem durch Jazz-Improvisationen neu beleuchtet werden.
(Weitere Informationen unter www.staatstheater.karlsruhe.de)

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Herbstfestspiele Baden-Baden: "Cavalleria rusticana", wie man sie noch nie gehört hat

Wenn am kommenden Freitag in Baden-Baden ab 20 Uhr die Herbstfestspiele „La Grande Gare“ beginnen, dann erklingt ein Opern-Einakter in einer Art und Weise, wie man ihn noch nie gehört hat: Pietro Mascagnis „Cavelleria rusticana“ enthält in der Urfassung zusätzliche Szenen, die jedoch gestrichen wurden – und zwar schon zur Uraufführung. Traditionell wird das sizilianische Drama (nach einer Novelle von Giovannni Verga) im Verbund mit Leoncavallos „Bajazzo“ auf die Bühne gebracht, dies allerdings sehr selten an hiesigen Opernhäusern.
Thomas Hengelbrock, Experte für historische Aufführungspraxis, musiziert mit seinen Balthasar-Neumann-Ensembles die Oper zwar „nur“ konzertant – doch möglicherweise sind große Bilder auch gar nicht nötig, denn der Erkenntnisgewinn und die ungewohnten Klangfarben dürften nachdrücklich genug sein. Während der gestrigen Video-Presskonferenz versprach Festspielhaus-Intendant Benedikt Stampa gar eine „groß dimensionierte“ Aufführung, eine „ikonische Interpretation“.
Schon während seiner Tätigkeit an der Wiener Volksoper vor zwanzig Jahren hat Thomas Hengelbrock seine Liebe zu dieser Oper entdeckt: Pietro Mascagni habe ein ein „unglaubliches Gespür“, eine „unverstellte, natürliche“ Art zu komponieren“ - so, wie es der ungeschönten Lebenswirklichkeit entsprach, die sich in der Kunst und in der Literatur gegen Ende des 19. Jahrhunderts im „Naturalismus“, daneben in der italienischen Oper im so genannten „Verismo“ niederschlug.
Ein sorgfältiges Quellenstudium brachte neue Erkenntnisse; dazu trug vor allem auch ein handschriftlicher Klavierauszug des Uraufführungsdirigenten bei. Vor der Uraufführung und auch danach sei, so Hengelbrock, „einfach gestrichen“ worden – zum einen, weil die Oper für einen Wettbewerb (des Musikverlags Sonzogno) komponiert wurde und man Pietro Mascagni um Kürzung gebeten hatte. Zum anderen aber auch, weil seinerzeit der Chor zu schlecht war für die anspruchsvolle Partie – was den Komponisten bei der Uraufführung zur Verzweiflung brachte.
So verwundert es nicht, dass Thomas Hengelbrock, dessen Balthasar-Neumann-Chor international zu den führenden Vokalensembles zählt, den Wunsch hegte, das Werk „mit all den herrlichen Chören“ einmal so aufzuführen wie vom Komponisten beabsichtigt – zumal dies, so Hengelbrock, ebenso Einfluss habe auf die „Statik des Stückes“.
Doch auch sonst gibt es Änderungen: Die Partie der Santuzza, Protagonistin und tragische Frauenfigur des Dramas, wird hier mit einem eher leichten, lyrischen Sopran (Carolina López Moreno) besetzt – auch dies entspricht der Uraufführung. Denn die Partie lag ursprünglich höher, als dies heutige Produktionen (oft hört man hier einen Mezzosopran) vermuten lassen.
Die Figuren der Oper seien jedoch junge Menschen, so Hengelbrock, und deshalb sei es „schön, wenn dies ein hoher Sopran singen kann“ - passagenweise auch ohne Vibrato.
Damit solche Feinheiten möglich sind, bedarf es jedoch einer entsprechenden Orchester-Besetzung und einer Klangbalance, welche die Sänger nicht an ihre Grenzen zwingt. Dafür sorgen die Blechbläser; italienische Hörner, die „passgenau“ ausgesucht wurden – so, wie es der damaligen Aufführungspraxis entspricht.
Solche exklusiven Projekte sind jedoch nur mit entsprechender Förderung möglich; vor kurzem wurde beispielsweise bekannt, dass die Stiftung Baden-Württemberg die Herbstfestspiele in den kommenden fünf Jahren mit insgesamt 2,5 Millionen Euro unterstützt. „Wir sind freie Ensembles, wir brauchen das Geld wirklich“, sagt Hengelbrock mit Nachdruck. Auch während der Pandemie hatten Balthasar-Neumann-Chor und -Ensemble durchgehend gearbeitet – mit einem aufwändigen Corona-Testverfahren.
Die weiteren Aufführungen des ersten Festival-Wochenendes lenken den Blick dann nach Frankreich (wo Thomas Hengelbrock mittlerweile seinen Lebensmittelpunkt hat); auch der Titel der Festspiele, „La Grande Gare“ - in Anlehnung an den Alten Bahnhof Baden-Baden als eine Art Drehkreuz im Europa des 19. Jahrhunderts - deutet dies an: Am Samstag, den 12. November steht ab 18 Uhr der große französische Komponist Hector Berlioz (Dirigent: Antonello Manacorda) auf dem Programm. Berlioz dirigierte während des Sommers einst auch in Baden-Baden. Davor, um 14 Uhr, kann man bei freiem Eintritt das Abschlusskonzert des deutsch-französischen Singfestes „Vive le Gesang“ erleben.

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Badische Staatskapelle erhält Zertifikat "Gesundes Orchester"

(red.) Im Rahmen der internen Tagung „Gesund und fit im Orchester“ zur Musikergesundheit wurde der Badischen Staatskapelle laut Mitteilung des Staatstheaters die Zertifizierung „Gesundes Orchester“ durch die Stiftung Schloss Kapfenburg verliehen.
Orchester, die mit dem Zertifikat „Gesundes Orchester“ ausgezeichnet sind, würden sich deutlich von anderen Orchestern unterscheiden – hier werde aktiv jenen Faktoren entgegengewirkt, die sich negativ auf die Probenarbeit und den Orchesteralltag auswirken, heißt es in der Mitteilung weiter. Dadurch könne man jenen Erkrankungen vorbeugen, von denen insbesondere Musiker betroffen sind. Als einem der traditionsreichsten Orchester Deutschlands sei es der Badischen Staatskapelle ein Anliegen, das Potential seiner Musikerinnen und Musiker voll auszuschöpfen und deren Gesundheit langfristig aktiv zu fördern und zu erhalten.
Beim Erlernen und Spielen eines Instruments werden Körper und Geist in hohem Maß beansprucht; die zunehmende Professionalisierung im musikalischen Bereich lässt zudem die körperlichen und mentalen Anforderungen weiter steigen – etwa durch einseitige Belastung, kognitive Höchstleistungen oder konstante Bühnenpräsenz. Um für diese Anforderungen gewappnet zu sein, benötigen Orchestermusiker die richtigen Werkzeuge – körperlich wie psychologisch.
Innerhalb des Projekts „Gesundes Orchester“ wird deshalb ein Mentor oder eine Mentorin ausgebildet; diese Mentoren agieren nach einer Weiterbildung im eigenen Orchester als Ansprechpartner für Gesundheitsfragen. Die Aufgabe besteht darin, das Orchester für die Musikergesundheit zu sensibilisieren, Kollegen zu beraten oder sachkundig weiterzuvermitteln und bewährte präventive Elemente in den Probenalltag einzubauen. Dadurch soll Erkrankungen vorgebeugt und die musikalische Qualität positiv beeinflusst werden.
Das Projekt richtet sich insgesamt an Musiker, Dirigenten, Manager und Leiter von Laien-, Freizeit-, Leistungs- und Berufsorchestern und wird gefördert von der Krankenkasse „Die Techniker“ (TK). Seit 2003 setzt sich die Stiftung Schloss Kapfenburg deutschlandlandweit dafür ein, Musikerinnen und Musiker schon vom Kindesalter an dabei zu unterstützen, sich für und durch das Musizieren fit zu halten. Diese Bildungsarbeit ist ein Grundpfeiler der Stiftung.

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Mit "Mut und Elan" in Krisenzeiten: Festspielhaus Baden-Baden stellt Jubiläumsprogramm für 2023 vor

Das Festspielhaus Baden-Baden soll auch in Krisenzeiten weiterhin zum „Haus der Festspiele“ ausgebaut werden – erst recht im kommenden Jahr, das ganz im Zeichen des 25jährigen Jubiläums steht und mit sieben Festivals und großen Sinfoniekonzerten aufwartet.
Mit der Eröffnung des Hauses im April 1998 hätten die „Gründungsväter und mütter „Visionäres geleistert“, so Intendant Benedikt Stampa auf der heutigen Pressekonferenz, „auch, was die Entwicklungsmöglichkeiten angeht.“ Ausdrücklich erwähnte er auch den ehemaligen Intendanten Andreas Mölich-Zebhauser, der das Haus nach anfänglichen Schwierigkeiten schließlich in die Erfolgsspur gebracht hatte.
Gerade in Zeiten, in denen die Planungen aufgrund der wirtschaftlichen und politischen Situation unter erschwerten Bedingungen verlaufen, wolle man den Weg „mutig und mit Elan“ bestreiten. Man könne sich dabei auf ein stabiles Fördersystem verlassen; es eine „Bürgerbewegung“, die das Haus trage, so Stampa.
Baden-Baden sei traditionell eine „Künstlerstadt“, deshalb soll beispielsweise der Austausch unter den Künstlern (und mit dem Publikum) gestärkt werden. Wünschenswert sei, „dass das die einzelnen Festivals untereinander korrespondieren“. Auch an einem „Festival der Zukunft“ soll geforscht werden, dabei will man gerade auch auf Tuchfühlung mit jungen Menschen gehen – wie beim neuen Format „Takeover“, das auch im kommenden Jahr den Festspielreigen eröffnet.
Ebenso sind Gesprächsformate vorgesehen, zum Beispiel mit der Literatur-Nobelpreisträgerin Herta Müller bei den Osterfestspielen oder mit Orlando Figes, der in seinem Buch „Die Europäer“ das kulturelle Leben im 19. Jahrhundert beschreibt. Die Fäden laufen hierbei in Baden-Baden zusammen - für Benedikt Stampa ohnehin eine Art Leitmotiv in der Programmgestaltung, was sich unter anderem in Festival-Bezeichnungen wie „La Grande Gare“ (in Anspielung auf den historischen Alten Bahnhof) niederschlägt. Dabei sollen auch die kulturellen Beziehungen zu Frankreich ausgebaut werden.
Zwei szenische Opern gehören zu den Höhepunkten im Jubiläumsjahr; „Frau ohne Schatten“ von Richard Strauss zu Ostern – hier kündigt Stampa eine „groß dimensionierte, szenisch aufwändige Produktion“ an - und „Werther“ von Jules Massenet im Rahmen der Herbstfestspiele. Zu den besonders innovativen Projekten gehört ein „Hologramm“- Ballett, das mittels 3D-Projektion und modernster Hologrammtechnik gleichzeitig in der Nationaloper Prag und im Festspielhaus Baden-Baden zu sehen sein wird.
Zudem werden Stars wie Joyce DiDonato oder Jonas Kaufmann erwartet; Anne-Sophie Mutter, von Beginn an dem Haus verbunden, feiert in Baden-Baden ihren 60. Geburtstag. Auch Star-Sopranistin Anna Netrebko ist kommt an die Oos, ebenso Teodor Currenztis - für Valery Gergiev hingegen bleibt die Türe nach wie vor verschlossen.
Ausgebaut wird auch das „Partizipationsprogramm“, das für einen verstärkten Austausch der Festspielhaus-Gäste untereinander sorgen soll. So kann man beispielsweise in der Reihe „Dinner surprise“ einen Platz bei einem Abendessen buchen, bei dem das Festspielhaus für vorher unbekannte Tischnachbarn sorgt.
Außerdem bietet das Haus im Jubiläumsjahr besondere Programm- und Festivalpakete an, mit denen die Musikfreunde gelockt werden – zum Beispiel mit Ticketpreisen ab 20 Euro, „damit die Festspielhaus-Familie zum Geburtstag wächst und unabhängig vom eigenen Einkommen miteinander feiern kann“, kündigt Benedikt Stampa an.
Für die Zukunft des Hauses setzt der Intendant vor allem auf das „Vertrauen“ der Menschen und deren Begeisterungsfähigkeit, sowie auf das Zusammenwirken zwischen Tradition und Moderne, das Baden-Baden seit jeher ausmacht.
(Der Vorverkauf beginnt am 24. Oktober; das Programm ist bereits online auf der Website des Hauses abrufbar.)

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Schwarzwald Musikfestival vergibt Sonderpreis beim ARD-Wettbewerb

(red.) Das Schwarzwald Musikfestival vergibt seit 2008 jährlich einen Sonderpreis beim Internationalen ARD-Musikwettbewerb. In diesem Jahr erhält der Gewinner des ersten Preises im Fach Klavier des 71. ARD-Wettbewerbs, der Österreicher Lukas Sternath, den „Sonderpreis des Schwarzwald Musikfestivals 2022“. Dieser Sonderpreis wurde am 16. September 2022 im Herkulessaal in der Residenz München vom Intendanten des Schwarzwald Musikfestivals - Mark Mast - überreicht.
Das Preisträgerkonzert ist für Pfingstmontag, den 20. Mai 2024 im Rahmen des Schwarzwald Musikfestivals 2024 vorgesehen.
Einen Mitschnitt des ARD-Preisträgerkonzerts der Festival-Saison 2022 mit Haruma Sato (Violoncello) und Naoko Sonoda (Klavier) wird am Dienstag, den 4. Oktober 2022 beim SWR2 Mittagskonzert gesendet. Zu hören sind Werke von Bach, Smolka, Schubert, Schumann und Brahms.

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Bruchsaler Schlosskonzerte starten am 7. Oktober in die neue Saison

(red.) Die kommende Saison der Bruchsaler Schlosskonzerte wird am 7. Oktober (20 Uhr) mit einer Premiere eröffnet – nämlich mit einem Abend, an dem sowohl die Musik als auch Rezitationen eine Rolle spielen. Zum 100. Todestag des Schriftstellers Marcel Proust (1871-1922) haben der Schauspieler Heikko Deutschmann (Rezitation), dazu Ulf Schneider (Violine) und Jan Philip Schulze (Klavier) ein Programm zusammengestellt, das Texte von Marcel Proust mit Musik von Reynaldo Hahn, Lili Boulanger, Olivier Messiaen, Erik Satie, Claude Debussy und Camille Saint-Saëns verbindet.
In Prousts „Suche nach der verlorenen Zeit“ kommt der Musik in den unterschiedlichsten Facetten eine zentrale Bedeutung zu, von den Kompositionen Wagners und Beethovens bis hin zu den Werken des imaginären Komponisten Vinteuil; von der literarischen Anverwandlung der Leitmotivtechnik bis zum Nachdenken über musikalischen Kitsch. Auf der anderen Seite hat Proust immer wieder Komponisten zur Auseinandersetzung mit seinem Werk angeregt.
In der Saison 2022/23 werden auch wieder Abonnements für die Bruchsaler Schlosskonzerte angeboten, zudem gibt es eine Neuerung: Nicht nur Schülerinnen und Schüler bzw. Studierende können Tickets und Abonnements zu ermäßigten Preisen erwerben, sondern generell alle jungen Menschen bis einschließlich 25 Jahren. Zusätzlich werden jeweils 30 Minuten vor Konzertbeginn U25-Karten zu 10 EUR auf allen verfügbaren Plätzen angeboten.
Das vollständige Programm der Bruchsaler Schlosskonzerte und weitere Informationen gibt es unter www.bruchsaler-schlosskonzerte.de