Balladen-Abend wird zur beklemmenden Realität

Bruchsaler Schlosskonzert: Duo Esther Valentin-Fieguth und Anastasia Grishutina geben dem Leid eine Stimme

 

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Als die Mezzosopranistin Esther Valentin-Fieguth und die Pianistin Anastasia Grishutina ihr Balladenprogramm für das Bruchsaler Schlosskonzert entwarfen, da war an die jüngsten Ereignisse noch nicht zu denken. Nun haben alte Balladen zwar oft düstere, bisweilen auch kriegerische Szenarien zur Grundlage. Aber einen solchen Einbruch der Realität in ein Konzertprogramm erlebt man sonst eigentlich nie.
Es war ein berührender Moment, als die gebürtige Russin Anastasia Grishutina, die schon den ganzen Abend über emotional bewegt schien, plötzlich aufstand und sich mit deutlichen Worten an das Publikum richtete: „Politiker müssen wissen: Menschen wollen keinen Krieg! Der Krieg kennt nur einen Sieger: Den Tod.“
(Hinweis: Das Konzert wurde von SWR2 aufgezeichnet und ist am Montag, den 21. März ab 20 Uhr im Abendkonzert zu hören. Das Konzertvideo ist voraussichtlich ab April online abrufbar.)

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Der Nachwuchs steht bereit

Beim Preisträgerkonzert des Händel-Jugendwettbewerbs begeisterten junge Künstler mit reifen Darbietungen  

 

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Seit mehr als zwanzig Jahren gehört das Preisträgerkonzert des Händel-Jugendwettbewerbs im Kleinen Haus des Staatstheaters zu den fixen Programmpunkten der Händel-Festspiele: Dieser Wettbewerb, ausgetragen von der Karlsruher Händel-Gesellschaft, soll junge Talente frühzeitig an die barocke Musik heranführen. Dafür werden Nachwuchskünstler im Alter von acht bis zwanzig Jahren gesucht - seit einigen Jahren aus ganz Baden-Württemberg, dem Elsass und der Südpfalz.
Peter Overbeck, Vorsitzender der Händel-Gesellschaft, wies dabei auf eine Tatsache hin, die in diesen Zeiten nochmals an Wert gewinnen könnte: Nämlich auf das Musizieren als Verständigungsmittel über kulturelle und sprachliche Grenzen hinweg. Angesichts der fabelhaften Leistungen der jungen Künstler animierte Intendant Ulrich Peters die zahlreichen Besucher: „Vielleicht haben Sie jetzt Lust, ein Instrument zu lernen oder wieder aus der Schublade zu holen!“

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Ausdrucksstark und wandlungsfähig

Anna Bonitatibus auf den Spuren großer Sängerinnen zur Zeit Händels und Rossinis

 

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Die italienische Mezzosopranistin Anna Bonitatibus ist seit Jahren eine feste Größe bei den Karlsruher Händel-Festspielen – nicht nur im laufenden Konzertprogramm, sondern auch im Rahmen der Meisterkurse bei der Internationalen Händel-Akademie.
In einem höchst vergnüglichen Gala-Konzert widmete sie sich jetzt den großen Vertreterinnen der tiefen Stimmlage aus dem 18. und dem frühen 19. Jahrhundert.
Die meisten Händel-Liebhaber kennen selbstverständlich die beiden großen Primadonnen Francesca Cuzzoni (sie war allerdings Sopranistin) und Faustina Bordoni, die spätere Ehefrau des sächsischen Hofkapellmeisters Johann Adolph Hasse. Aber wer sind beispielsweise Margherita Durastanti oder Vittoria Tesi?

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Das Bild erdrückt die Handlung

Händel-Festspiele in Karlsruhe: Floris Visser inszeniert „Hercules“/ Guter Ansatz, szenisch aber verwirrend

 

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Diagnose: „Pathologische Eifersucht“. Der Dämon, der Dejanira befällt, ist hier sozusagen die Hauptperson. Herkules kommt dagegen nur am Rande vor, er wird zum Opfer dieser zersetzenden Leidenschaft.
Zahlreich waren die Gäste, die das Musikdrama zur Eröffnung der Karlsruher Händel-Festspiele erlebten; viele seien, so Intendant Ulrich Peters, aus dem Ausland angereist. Man habe schon während des Vorverkaufs gemerkt: „Die Menschen gieren nach Händel!“
Nach einjähriger Abstinenz ist das barocke Festival in der Fächerstadt zurück, und dass der Auftakt ohne Corona-Zwischenfälle über die Bühne ging, macht Hoffnung. Staatssekretärin Petra Olschowski, die zur Eröffnung anreiste, und Oberbürgermeister Frank Mentrup waren sich einig: „Händel bringt als Europäer die Menschen zusammen!“
Zur Uraufführung in London anno 1745 – dies ist eine Parallele zur Pandemie - war das Sänger-Ensemble größtenteils erkrankt, was einen Flop des Musikdramas bedeutete. In Karlsruhe dagegen „floppte“ die Oper keineswegs; dies war vor allem den hervorragenden Musikern zu verdanken. Doch die Inszenierung des schwierigen Stoffes ist problematisch.

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Kraftvolle "Familienbande"

Konzert in der Hemingway Lounge mit der Musikerfamilie Uhde

 

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Große Komponisten stammten in der Regel entweder aus Musikerfamilien oder gründeten später selbst welche. Das war zum Beispiel der Fall bei Beethoven, bei Rossini, bei Robert Schumann. In bester Gesellschaft muss sich deshalb auch die Familie Uhde gefühlt haben, die jetzt bei einem Kammerkonzert in der Hemingway Lounge (unter anderem mit den besagten Komponisten) zu hören war. Ohnehin sind Aufführungen unter dem Motto „Familienbande“ sehr dankbare Konzertformate, die Veranstalter anscheinend immer mehr für sich entdecken.
Der Pianist Michael Uhde hat als Professor an der Karlsruher Musikhochschule schon manche Generation von Studierenden auf dem Weg ins Künstlerleben begleitet. Auch seinen eigenen Kindern ließ er gemeinsam mit Ehefrau Sanja, einer Cellistin, eine offensichtlich fruchtbare Förderung zukommen: Alle drei spielen in namhaften Orchestern oder unterrichten selbst. Das versprach Abendunterhaltung im besten Sinne.

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Geistvoll musiziert

Die Pianistin Sophie Pacini gastierte bei den Bruchsaler Schlosskonzerten

 

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Die deutsch-italienische Pianistin Sophie Pacini überzeugt nicht nur mit ihrem exzellenten Spiel, sondern sie stellt auch noch auf eine andere Art den Kontakt zum Publikum her: nämlich durch ihre interessanten Erläuterungen - wie zuletzt bei ihrem Klavierabend im Rahmen der Bruchsaler Schlosskonzerte.
Dabei wird klar: Ihre Programme sind durchdacht, die Stücke innerlich miteinander verbunden – und die Erklärungen der jungen Pianistin sind ein Beispiel für eine vorbildliche Konzertmoderation, die sich ganz auf die Musik und nicht etwa auf beifallheischende Anekdoten konzentriert. 

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Viel Lärm um nichts

Staatstheater Karlsruhe: Gaetano Donizettis „Don Pasquale“ ist szenisch eine Enttäuschung, musikalisch jedoch überzeugend

 

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Bereits 2018, zur Produktion des „Freischütz“ unter der Regie von Verena Stoiber, musste man leider feststellen, dass der Grazer „Ring-Award“ offensichtlich kein Garant für Qualität ist. Mit diesem Theater-Preis war die Regisseurin kurz zuvor ausgezeichnet worden - und Gleiches gilt für den 33jährigen Valentin Schwarz, der jetzt in Karlsruhe (und vor zwei Jahren in Montpellier) Gaetano Donizettis „Don Pasquale“ auf die Bühne brachte.
Dabei durfte man von dieser Opernkomödie einiges erwarten, zumal man zuletzt in Karlsruhe mit Donizetti gute Erfahrungen gemacht hatte: Absolut sehenswert waren beispielsweise „Anna Bolena“ oder „Roberto Devereux“ aus der so genannten Tudor-Trilogie; etwas länger zurück liegt die feurige „Liebestrank“-Inszenierung von Jacopo Spirei.
Doch Valentin Schwarz bringt tatsächlich das Kunststück fertig, dieses rasante, spritzige Kammerspiel durch Plumpheit völlig auszubremsen. Das Publikum protestierte, und zwar völlig zu Recht. 

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Auf einem einzigen Atembogen

Das Fauré-Quartett gab Jubiläumskonzert an der Karlsruher Musikhochschule

 

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Manchmal führt der Kompromiss, der „kleinste gemeinsame Nenner“, keineswegs zu Verlusten, sondern vielmehr zu einem großen Gewinn – und zwar auf allen Ebenen, wie im Falle des Fauré Quartetts. Zum 150. Geburtstag ihres Namensgebers gründeten Dirk Mommertz, Klavier, Erika Geldsetzer, Violine, Sascha Frömbling, Viola und Konstantin Heidrich, Violoncello, ihr Ensemble.
Ursprünglich hatte Sascha Frömbling eher zum Streichquartett tendiert, Dirk Mommertz dagegen zum Klaviertrio. Die besondere Formation des Klavierquartetts gab ihnen jedoch die Möglichkeit, in ein Repertoire vorzudringen, das weit weniger erschlossen ist als beispielsweise die klassische Streichquartettliteratur.
Dass sie längst zu den führenden Ensembles ihres Fachs gehören, bedarf eigentlich keiner Erwähnung mehr. Ihr Wissen geben sie regelmäßig auch an junge Ensembles weiter – wie jetzt im Rahmen eines Meisterkurses in Karlsruhe. Zum Auftakt waren sie in einem Benefizkonzert zu Gunsten des Hochschul-Freundeskreises (und der ergänzenden Stiftung) zu erleben; nachzuhören ist das Programm am 27. Januar ab 13 Uhr im SWR2 Mittagskonzert. .

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Große Meister im ungewohnten Klanggewand

Kammerphilharmonie Karlsruhe präsentierte "Musik im Taschenformat" in der Christuskirche

 

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Die Bezeichnung „Taschenformat“, so stellte der Musikwissenschaftler Joachim Draheim zu Beginn des Konzertes klar, hat nichts mit „Taschenpartitur“ zu tun.
Vielmehr ist die Reihe „Musik im Taschenformat“ eine kongeniale Idee der Kammerphilharmonie Karlsruhe: Im ersten Pandemie-Jahr entstanden, nimmt sie die Werke der großen Meister in den Blick – allerdings, der Situation geschuldet, in kleinerer Besetzung.
Bearbeitungen waren jedoch zu allen Zeiten üblich; oft stammen sie sogar von den Komponisten selbst oder von ihren Zeitgenossen. Einen Eindruck dieser vielgestaltigen Ensemble-Musik gab die Kammerphilharmonie jetzt in drei Konzerten an der Christuskirche Karlsruhe.

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Begegnungen mit dem "Odenwälder Mozart"

Konzert mit Werken von Joseph Martin Kraus an der Musikhochschule Karlsruhe

 

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Joseph Martin Kraus, man nennt ihn auch den „Odenwälder Mozart“, hat ziemlich genau dieselben Lebensdaten wie der „Richtige“. 1756 wurde er in Miltenberg geboren, 1792 starb er an Schwindsucht in seiner Wahlheimat Schweden - auf dem Höhepunkt seiner Karriere.
Dazwischen liegt ein bewegtes Künstlerleben, und dabei ist der Vergleich mit dem großen Zeitgenossen durchaus angebracht: Denn Joseph Martin Kraus hinterließ nicht nur eine Fülle von Werken in beinahe allen Gattungen (darunter Kirchenmusik, Opern, Sinfonien, Kammermusik und Lieder), sondern er legte dabei auch einen genialen Geist und viel Originalität an den Tag; er gilt gar als Wegbereiter für das romantische Kunstlied im Schubert‘ schen Sinne.
Seit einigen Jahrzehnten wird seine Musik in zahlreichen Veröffentlichungen und auch in Konzerten zunehmend erschlossen. Einblicke gab es vor kurzem in einem Konzert an der Musikhochschule Karlsruhe. 

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