Afrobeats und exotische Klangflächen

Three Fall & Melane eröffnen die Weingartner Musiktage Junger Künstler

 

191005 Weingarten

Seit einigen Jahren bildet der Jazz einen der Schwerpunkte bei den Weingartner Musiktagen – was vor allem daran liegt, dass die jungen Vorsitzenden, Thomas Jehle und Stefan Burkhardt, selbst begeisterte Jazzmusiker sind.
Zur Eröffnung holten sie jetzt das junge Trio „Three Fall“ in den kleinen Weinort, das schon allein deshalb auffällt, weil es sich jenseits der klassischen Jazzformationen und überhaupt zwischen sämtlichen Stühlen (zum Beispiel Funk, HipHop, Reggae, Weltmusik) bewegt. Die Sängerin Melane Nkounkolo bereicherte das Trio.

Weiterlesen ...

Vor allem musikalisch überzeugend

Herbstfestspiele Baden-Baden: John Neumeier und das Hamburg Ballett mit Glucks "Orphée et Eurydice"/ Fabelhaftes Freiburger Barockorchester

 

190927 Orpheus Baden Baden

Das Orpheus-Thema scheint Choreografen immer wieder zu reizen: Vor vier Jahren erlebte man an gleicher Stelle eine originelle und restlos überzeugende Umsetzung von Sasha Waltz, übrigens ebenfalls mit dem Freiburger Barockorchester. Die Berliner Choreografin hatte damals Monteverdis „Orfeo“ aus der Bewegung heraus inszeniert, ohne äußere Handlung, vollkommen reduziert.
Anders dagegen geht John Neumeier mit seinem Hamburg Ballett vor. Ihn begleitet der Stoff schon seit Jahrzehnten; erste Impulse erhielt er in der Zusammenarbeit mit dem Regisseur Filippo Sanjust vor fast fünfzig Jahren. Neumeiers „Ballett-Oper“, die im Februar in Hamburg herauskam, war nun auch im Rahmen der Herbstfestspiele in Baden-Baden zu sehen
 .

Weiterlesen ...

Betörend schöner Klang

SWR-Schlosskonzert in Ettlingen mit dem Mariani Klavierquartett

 

190929 Mariani Klavierquartett

Mariani? Ein Journalist, so erfährt man im Einführungsgespräch bei den Ettlinger Schlosskonzerten, mutmaßte einmal, dieser Name gehe womöglich zurück auf den „Vin Mariani“ - ein Gemisch aus Rotwein und einem Extrakt der Coca-Pflanze, sozusagen einem Vorläufer des heutzutage beliebten brauseartigen Erfrischungsgetränks.
Ein Konzertveranstalter wiederum kündigte die vier gar als „Marihuana“-Quartett an. Wie dem auch sei: Der Klang dieses Quartett hat etwas Betörendes. Der Ensemble-Name ist hingegen ganz unspektakulär: Er leitet sich schlicht ab von Antonio Mariani, einem Geigenbauer des 17. Jahrhunderts.

Weiterlesen ...

Anmut und Freiheitskampf - und eine klare Empfehlung für Bayreuth

Auftakt der Karlsruher Meisterkonzerte: Vadim Repin, Pietari Inkinen und die Deutsche Radio-Philharmonie im Konzerthaus

 

190928 Repin Inkinen

Das war ein Saison-Auftakt, der die Vorfreude weckt. Bei den „Karlsruher Meisterkonzerten“ spielte der großartige Vadim Repin im Konzerthaus Karlsruhe – und zwar ein Werk, das selten zu hören ist: Alexander Glasunows Violinkonzert a-moll. Umrahmt wurde dieses Konzert von Jean Sibelius, und das wiederum trug der finnischen Herkunft des Dirigenten Rechnung. Dabei zeigte sich: Der 39jährige Pietari Inkinen, Chef der Deutschen Radio Philharmonie und Dirigent des kommenden Bayreuther „Ring“-Zyklus, gab hierfür eine eindeutige Empfehlung ab.

Weiterlesen ...

Vergnüglicher Exkurs ins 18. Jahrhundert

Karlsruher Schlosskonzerte: Auf den Spuren des Musikschriftstellers Johann Mattheson

 

190925 Schlosskonzerte Mattheson

Über den „Bon gout“ in der Musik lässt sich bekanntlich streiten – erst recht heutzutage, im Zeitalter der verschiedensten Hörgewohnheiten.
Eine klare Meinung dazu (und nicht nur dazu) hatte Johann Mattheson. Der Hamburger, ein Zeitgenosse Georg Friedrich Händels, gilt als bedeutendster Musiktheoretiker der Aufklärung. Allerdings ist er heute meist nur noch einem Fachpublikum bekannt.
Es ist nicht einfach, dieser Persönlichkeit an einem Konzertabend nachzuspüren und ihr dabei wirklich gerecht zu werden. Überhaupt – als was soll man diesen Universalkünstler denn nun bezeichnen? Er war Sänger und Komponist, zugleich ausgebildet an Laute, Violine, Blockflöte und Cembalo. Er war Musikdirektor am Hamburger Dom, daneben Musikschriftsteller und ein innovativer Journalist: Seine Zeitschrift „Der Vernünfftler“ (die erste deutschsprachige „Moralische Wochenschrift“) erreichte überregionale Beachtung, und sein bekanntestes Werk - „Der Vollkommene Capellmeister“ - gilt als wichtige Quelle für die Musikpraxis des 18. Jahrhunderts.
Die Karlsruher Schlosskonzerte würdigten diesen bemerkenswerten Menschen jetzt mit einem ungewöhnlichen Format: Einem Plauderkonzert im barocken Stil.

Weiterlesen ...

Zwei Künstlerinnen in ihren Liedern

Konzert der Gedok: Werke von Clara Schumann und Margarete Schweikert

 

190920 Liederabend GEDOK

Seit dem Jahr 2012 – seit dem 125. Geburtstag von Margarete Schweikert - ist man in Karlsruhe dabei, das Werk der Komponistin wieder zu entdecken. Zu verdanken ist das hauptsächlich der Künstlerinnenvereinigung GEDOK, insbesondere der Pianistin Jeannette La-Deur, die sich als Herausgeberin darum bemüht, die Lieder und Kammermusik öffentlich zugänglich zu machen.
Margarete Schweikert war in Fünfziger Jahren Vorsitzende der nach dem Kriege wieder gegründeten Vereinigung, außerdem war sie Fachbeirätin für Musik.
Doch die Ursprünge der Karlsruher GEDOK reichen zurück bis ins Jahre 1929.
Grund genug also, den 90. Geburtstag des Vereins zugleich zum Anlass zu nehmen, wieder einmal an Margarete Schweikert zu erinnern – hatte sie doch zu Beginn des 20. Jahrhunderts das künstlerische Leben in der Fächerstadt (als Musikerin, Pädagogin und Konzertveranstalterin) entscheidend mitgeprägt
.

Weiterlesen ...

Zarte Anmut, dunkle Leidenschaft

Clara Schumann im Zentrum: Erstes Konzert der Staatskapelle mit der Pianistin Magdalena Müllerperth.

 

190915 Sinfoniekonzert Schumann

Wenn Pianistinnen sich mit dem Werk von Clara Schumann auseinandersetzen, dann fällt immer wieder ein Satz: „Sie muss unglaublich große Hände gehabt haben“.
Tatsächlich stellt auch das Klavierkonzert a-moll die Interpreten vor hohe technische Anforderungen. Das ist insofern bemerkenswert, als die junge Clara Wieck bei der Uraufführung erst 16 Jahre alt war. Bereits 1834 hatte sie mit der Arbeit begonnen; ihr späterer Ehemann Robert Schumann, der, wie Clara, bei ihrem Vater Friedrich Wieck ausgebildet wurde, stand ihr bei der Instrumentierung zur Seite.
Den zahlreichen Veranstaltungen zum kürzlichen 200. Geburtstag der großen Künstlerin schloss sich auch das Badische Staatstheater an: Die junge Pianistin Magdalena Müllerperth und die Staatskapelle eröffneten die neue Saison mit eben diesem Konzert
.

Weiterlesen ...

Zeit und Ewigkeit

Ettlinger Schubertiade: Thomas Seyboldt und Hans Christoph Begemann mit Liedern von Wolfgang Rihm

 

190914 Schubertiade Rihm

Das Duo Hans Christoph Begemann (Bariton) und Thomas Seyboldt (Klavier) widmet sich im Rahmen der Ettlinger Schubertiade immer wieder dem Liedschaffen von Wolfgang Rihm: Vor wenigen Jahren brachten die beiden Künstler beim Label „bastille musique“ eine CD heraus, die mit dem Preis der Deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet wurde.
Jetzt gibt es eine Fortsetzung – und aus der neuesten Einspielung, die den Titel „Dort wie hier“ (nach Heinrich Heine) trägt, waren nun im Asamsaal Vertonungen von Rückert, Mörike und eben Heine zu hören.
Doch die beiden Interpreten rückten diese Lieder in einen Kontext; nämlich in die unmittelbare Nähe von Schubert, Brahms, Mahler und Hugo Wolf, die sich mit diesen Dichtern ebenfalls befassten. Daraus ergab sich eine sorgsame Dramaturgie rund um ein nicht einfaches Thema: nämlich um Tod und Vergänglichkeit.

Weiterlesen ...

Mit Tempo, Witz und Leidenschaft

"Junges Kollektiv Musiktheater" zeigte Puccinis "Gianni Schicchi"

 

190823 Gianni Schicchi

"Der Tolle dort ist Gianni Schicchi; tollwütig plagt er die anderen".
Ja, so geht es zu im vorletzten Höllenkreis. Bereits in Dantes "Göttlicher Komödie" taucht der gewitzte Betrüger auf, allerdings nur in wenigen Zeilen, doch diese genügten dem Librettisten Giovacchino Forzano, um eine herrliche Komödie zu schreiben - Textgrundlage für Puccinis genial satirische Kurzoper "Gianni Schicchi".
Das wiederum inspirierte die junge Regisseurin Marlene Pawlak und ihre Mitstreiter zu einer launigen Produktion des Jungen Kollektiv Musiktheater in Karlsruhe: Ein spätsommerlich-spritziges Opernvergnügen.

Weiterlesen ...

Oszillierende Farben

Abschluss des Orgelsommers: Klaus Geitner bot Raritäten - und zeigte die Klangpracht der drei Orgeln

 

190811 Klaus Geitner

Ein Orgelkonzert, so ganz ohne Bach oder Georg Böhm? Ohne die großen Romantiker Louis Vierne und Charles-Marie Widor, Franz Liszt oder Johannes Brahms?
Auf dem Programm des letzten Abends im diesjährigen Karlsruher Orgelsommer fanden sich stattdessen Namen wie Johann Schneider, Johann Valentin Eckelt, Wallace Arthur Sabin – und meist hat es ja durchaus seinen Grund, wenn Komponisten völlig unbekannt sind.
In der Tat waren es nicht die ganz gr
oßen Meisterwerke, die der Münchner Organist Klaus Geitner (tätig an der Sendlinger Himmelfahrtskirche) nach Karlsruhe brachte. Doch das Konzert hatte einen großen Reiz, was nicht zuletzt auch an der kunstvollen Registrierung lag.

Weiterlesen ...