Interessanter Einblick in die Welt der Renaissance

Ettlinger Schlosskonzert mit Musik aus dem Lautenbuch des Sebastian Ochsenkun

 

190106 Andreas Arend

Es ist spannend zu sehen, welche Musik teilweise in den Archiven schlummert: Zum Beispiel das Heidelberger Lautenbuch des Sebastian Ochsenkun (1521-1574), der im Dienst des Kurfürsten Ottheinrich von der Pfalz stand. Das Repertoire der fürstlichen Hofkapelle hielt Ochsenkun in diesem Lautenbuch fest, und dabei gibt es eine Besonderheit: Es handelt sich dabei um so genannte "Intavolierungen" - das heißt, die mehrstimmigen Werke der Renaissance-Komponisten wurden in der damals üblichen Tabulaturschrift für Laute so notiert, dass sie sich auch wieder für Ensemble einrichten lassen. Eine Art Partitur also.
Damit hat sich der Lautenist Andreas Arend jahrelang beschäftigt - und gemeinsam mit den Gambisten Matthias Müller und Niklas Trüstedt, den Sängern Dorothee Mields (Sopran) und Jan Kobow (Tenor) machte er beim jüngsten Ettlinger Schlosskonzert dieses Dokument lebendig. (Nachzuhören ist das Konzert am 26.01., 20.03 Uhr, SWR2 Abendkonzert).

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Liebenswert und sinnlich

"Das schlaue Füchslein" in Karlsruhe: Yuval Sharon inszeniert Janacek-Oper als Animationsfilm

 

181216 Fuechslein

Oper oder Kino? Oder doch eher ein Konzert mit bewegten Bildern - immerhin sitzt ja das Orchester mitten auf der Bühne? Man weiß es nicht.
In Yuval Sharons Inszenierung von "Das schlaue Füchslein" verwischen die Grenzen, und das passt zum Charakter dieser Oper von Leos Janacek, denn auch das Stück bewegt sich zwischen verschiedenen Ebenen: zwischen Tier-Fabel und menschlichen Schicksalen.
Und mit seinem Animationsfilm (realisiert in den Walter Robot Studios in Los Angeles) greift Yuval Sharon zudem den Ursprung dieses Werks auf: Zu Grunde liegt eine Serie von Karikaturen, 1920 erschienen in der Brünner Volkszeitung, zu denen der tschechische Autor Rudolf Tesnohlidek den Feuilleton-Roman "Die Abenteuer des Füchsleins Schlaukopf" schrieb
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Kaleidoskop in schillernden Farben

"Best of America": Zum Karlsruher Meisterkonzert kürzlich im Konzerthaus Karlsruhe

 

181208 Best of America

Angekündigt war Sharon Kam, eine der renommiertesten Klarinettistinnen unserer Zeit. Sie reiste auch tatsächlich noch zur Probe mit Garry Walker und dem Staatsorchester Rheinische Philharmonie an. Doch aufgrund einer kurzfristigen Erkrankung musste sie ihren Auftritt im Karlsruher Konzerthaus absagen. Nun begann für das Orchester-Management ein "Parforce-Ritt", wie es Michael Heintz, Veranstalter der "Karlsruher Meisterkonzerte", ausdrückte. Und dankenswerterweise kam Dimitri Ahkenazy, der den Abend rettete: Denn zu hören war ein ausgesprochen interessantes, stilistisch farbiges Programm mit Einflüssen aus dem Jazz: Unter dem Motto "Best of America" gab es Musik von Copland, Gershwin, Bernstein und Artie Shaw. 

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Ohne Worte - aber mit großer Aussage

Stefan Temmingh und Margret Köll mit "Liedern ohne Worte" bei den Bruchsaler Schlosskonzerten.

 

181207 Temmingh Koell

"Singen ist das Fundament zur Musik in allen Dingen": Das erkannte bereits der Barockkomponist Georg Philipp Telemann. Zwar stand seine Musik nicht auf dem Programm beim jüngsten Bruchsaler Schlosskonzert, dafür aber gab es zahlreiche andere Lieder, Madrigale und Arien von Monteverdi bis Mozart - eingerichtet für Harfe und Blockflöte, auf der sich ebenfalls vortrefflich singen lässt. Schon allein die Auswahl - vom betörend weichen Ton der Bassflöte bis hin zum hellen Sopranino - ermöglicht die unterschiedlichsten Klangfarben und Charaktere.
Auch Felix Mendelssohn Bartholdy schrieb "Lieder ohne Worte" für das Klavier, und so lautete auch das Programm mit dem Südafrikaner Stefan Temmingh und der österreichischen Harfenistin Margret Köll. (Nachzuhören ist es am 6. Februar 2019 ab 20.03 Uhr im SWR2 Abendkonzert). 

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Urwüchsig und volksnah

Dvorak und Beethoven: Andras Schiff, Ivan Fischer und das Budapest Festival Orchestra bei den Herbstfestspielen in Baden-Baden

 

181130 Fischer Schiff

Im Volkston - so heißen zum Beispiel Dvoraks Lieder op. 73 - und so hätte auch der Titel dieses Programms lauten können. Im Festspielhaus Baden-Baden gastierte das Budapest Festival Orchestra unter seinem Gründer Ivan Fischer, und zu hören war unter anderem Dvoraks sechste Sinfonie: Man erlebt sie so gut wie gar nicht in westeuropäischen Konzerthäusern. Dieser Sinfonie liegen slawische Tänze zu Grunde, so wie überhaupt der erste Programmteil eher folkloristisch gehalten war. Und dann formierte sich das Orchester überraschenderweise auch noch zum Vokalensemble, um eines von Dvoraks "Vier Chorliedern" op. 29 zu intonieren. Dazwischen: Ein "junger" Beethoven, der sich mit seinem Klavierkonzert Nr. 1 anschickte, als Komponist und Virtuose Wien zu erobern ...

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Schumann und Beethoven - mit Noblesse und Esprit

Veronika Eberle, Daniel Harding und das Schwedische Radio-Sinfonieorchester bei den Herbstfestspielen in Baden-Baden

 

181123 Harding Eberle

Als "kranke Musik" hat man Schumanns d-moll-Violinkonzert lange bezeichnet: Denn bereits ein Jahr nach seiner Entstehung, nämlich 1854, wurde der Komponist in die Nervenheilanstalt Endenich eingeliefert. Dieser Umstand färbte sehr lange auf die Wahrnehmung des Werks ab.
Erst in den vergangenen Jahrzehnten wurde das Konzert allmählich wieder entdeckt, auf den Spielplänen ist es nach wie vor eine Rarität - und dass es nun bei den Herbstfestspielen in Baden-Baden zu hören war, ist eigentlich einem Zufall zu verdanken: Die Geigerin Veronika Eberle ersetzte die erkrankte Janine Jansen - und das Publikum kam in einen seltenen Genuss.

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Kunstvolle Verbindung zwischen Wort und Musik

Konzertlesung an der Musikhochschule zum Gedenken an Peter Härtling

 

181116 Haertling Konzertlesung

Am 13. November wäre der Schriftsteller Peter Härtling 85 Jahre alt geworden. Er war der Karlsruher Musikhochschule in besonderer Weise verbunden: Zweimal hielt er die "Karlsruher Rede"; zu seinem 80. Geburtstag würdigten Studierende und Dozenten den Autor in einem musikalisch-literarischen Abend - damals noch mit ihm selbst als Sprecher.
Eine solche Konzertlesung gab es vor kurzem erneut im Wolfgang-Rihm-Forum; unter anderem mit Auszügen aus seinem letzten Werk "Der Gedankenspieler", das auch Härtlings Nähe zur Musik aufgreift.

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Hommage an das Leben - im Angesicht des Todes

Antrittskonzert von Kantor Peter Gortner an der Christuskirche Karlsruhe/ Gedenken an den Ersten Weltkrieg

 

181111 Konzert Christuskirche

Wenn das Antrittskonzert eines Kantors - wie jenes von Peter Gortner an der Christuskirche Karlsruhe - auf einen besonderen Jahrestag fällt, dann ist auch eine besondere Sensibilität gefragt. In diesem Fall war es das Ende des Ersten Weltkriegs vor genau 100 Jahren.
Dem jungen Heidelberger Kirchenmusiker gelang ein Programm, das zu diesem Anlass einen würdigen Bogen schlug und trotzdem eine lebensbejahende, hoffnungsvolle Atmosphäre schuf - und außerdem die verschiedenen Ensembles an der Christuskirche bestens ins Licht rückte. Fazit: Überaus gelungen!  

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Prachtvoller Lobpreis

"Te Deum" in allen Facetten: Festkonzert zur Wiedereinweihung der Karlsruher Lutherkirche

 

181110 Lutherkirche

Der Innenraum ist deutlich aufgehellt; die floralen und geometrischen Motive, das Gold des Jugendstils kommen prächtig zur Geltung: So präsentiert sich die Karlsruher Lutherkirche am Gottesauer Platz nach ihrer eineinhalbjährigen Sanierung.
111 Jahre ist die Kirche alt; seit genau 25 Jahren gibt es außerdem einen Verein zur Förderung der Kirchenmusik, dessen Früchte regelmäßig in den Jugendensembles, in der Kantorei und der "Capella Lutherana" zu hören sind. Reichlich Grund zum Feiern also für die Mitglieder der Gemeinde - zumal das Wochenende der Wiedereinweihung auch noch auf Luthers 535. Geburtstag fiel.  

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Der Reiz des Ungewohnten

Das Bartholdy Quintett musizierte bei den Bruchsaler Schlosskonzerten

 

181109 Bartholdy Quintett

Streichquintett? Das ist eine eher außergewöhnliche Besetzung. Meist ist eine zweite Bratsche hinzugefügt - das heißt, die Mittelstimmen sind verstärkt, wie etwa im Fall des Bartholdy Quintetts, das jetzt im Schloss Bruchsal musizierte. Für Streichquintett schrieben beispielsweise Mozart und Mendelssohn, aber auch Alexander von Zemlinsky, ein Wiener Komponist des spannenden "Fin de Siècle".
Äußerst reizvolle Klangfarben und Dialoge sind in dieser Besetzung möglich. (Hinweis: Das Konzert wurde aufgezeichnet und ist am 01.12. im SWR2-Abendkonzert ab 20.03 Uhr zu hören).

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