Weihnachtliche Freude im Spiel mit Farben und Rhythmen

Das Ensemble "Capella de la torre" lud in Bruchsal zur Reise durch die Renaissance

 

191130 Capella de la torre

Ein tänzerischer Schwung, gipfelnd in der überströmenden Freude über die Geburt des Erlösers? Zuvor eine frohe Zeit des Wartens? Wie fremd uns das heutzutage alles ist.
So aber muss es wohl gewesen sein in der Zeit der Renaissance, und dagegen nehmen sich „Black Friday“ und „Cyber Monday“ mit all ihren Konsumversprechen geradezu armselig aus. Bei den Bruchsaler Schlosskonzerten war jetzt das Ensemble „Capella della torre“ zu erleben: mit Weihnachtsmusik aus Europa zwischen 1500 und 1600.

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Musik zwischen Schrecken und Hoffnung

Eindrucksvolles Konzert zum Ewigkeitssonntag: Werke von Bach und Reger in der Evangelischen Stadtkirche Karlsruhe

 

191124 Bach Reger

In einem besonderen Spannungsverhältnis steht der so genannte Ewigkeitssonntag, der im Protestantismus das Kirchenjahr beschließt. An diesem Tag gedenken evangelische Christen ihrer Verstorbenen, weshalb er auch landläufig als „Totensonntag“ bezeichnet wird. Doch zugleich kündet der Tag auch von der Hoffnung auf das Ewige Leben – nicht zuletzt dadurch, dass er bereits auf den nahen Advent verweist.
In ein solches – beeindruckendes! - Spannungsverhältnis setzte auch Christian-Markus Raiser das Konzert mit dem Bachchor und der Camerata2000 in der Evangelischen Stadtkirche. Werke von Bach und Reger waren zu hören, darunter eine Karlsruher Erstaufführung.

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Barocke Bühnenshow

 Cecilia Bartoli auf den Spuren des Kastraten "Farinelli"/ erste Station in Baden-Baden

 

191123 Cecilia Bartoli

"Er fing die erste Note so sanft an, schwellte sie durch ganz unmerkliche Grade zu einer erstaunlichen Stärke und linderte sie auf eben diese Weise wieder, dass man ihm völlig fünf Minuten klatsche“. Dies notierte im späten 18. Jahrhundert der Musikgelehrte Charles Burney in seinem „Tagebuch einer musikalischen Reise durch Frankreich und Italien“.
Ähnliches kann man auch über den Abend mit Cecilia Bartoli im Festspielhaus Baden-Baden sagen: Die Gesangsvirtuosin spürt in ihrem neuen Programm dem berühmtesten Sänger seiner Zeit nach – dem Kastraten Carlo Broschi, besser bekannt als „Farinelli“. An der Oos erlebte dieses Programm (allerdings mit etlichen Abweichungen von der demnächst erscheinenden CD) jetzt seine Premiere.

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Klingendes Dokument, erschütterndes Schicksal

Zur Aufführung des Oratoriums "Annelies" in der Stadtkirche Durlach

 

191110 Anne Frank

Im Juni diesen Jahres wäre Anne (Annelies Marie) Frank 90 Jahre alt geworden. Die Familie, zunächst in Frankfurt ansässig, zog bereits kurz nach der Machtergreifung nach Amsterdam. Als 1940 jedoch die Deutsche Wehrmacht die Niederlande besetzte, flohen die Franks einige Zeit später in das Versteck eines Hinterhauses. Das Tagebuch, das Anne in den Jahren bis zu ihrer Verhaftung führte, gilt nicht nur als bedeutendes Zeitdokument, sondern es offenbart auch bereits die Beobachtungsgabe eines jungen Mädchens, das eigentlich Schriftstellerin werden wollte.
Es liegt nahe, ein solches Dokument auch zu vertonen: Im Jahr 2005 schuf der britische Komponist James Whitbourn mit „Annelies“ ein Oratorium auf der Grundlage dieser Texte - ausgewählt und zusammengestellt von der jungen Autorin Melanie Challenger. Es ist ein Werk in dichter Atmosphäre – und dankenswert, dass jetzt Johannes Blomenkamp gemeinsam mit der Durlacher Kantorei, der Sopranistin Sabine Goetz und dem Leopold Ensemble an das jüdische Schicksal erinnerte.

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Beethoven, in allen Facetten

Voller Überraschungen: Das Konzert mit dem Phaeton Piano Trio in Bruchsal

 

191108 Phaeton Trio

Der große Jubilar des kommenden Jahres – Ludwig van Beethoven – beschäftigt Künstler und Veranstalter bereits zum jetzigen Zeitpunkt. Bei den Bruchsaler Schlosskonzerten mit dem Phaeton Piano Trio gab es einen monothematischen Abend, und hier waren nicht nur die Werke des großen Meisters gefragt, sondern auch die der zeitgenössischen Musik-Schöpfer, die sich mit Beethovens Musik auseinander gesetzt haben: etwa der junge Komponist Johannes X. Schachtner mit seiner „Triokonversation“, oder die Schüler des Karlsruher Helmholtz-Gymnasium (Hinweis: Der Konzertmitschnitt ist am 04.01.20 um 20.03 im SWR2 2“Abendkonzert“ zu hören; die Werke der Schüler am 22.01. ab 10.03 Uhr).

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Ohne Gott ist alles besser

Anmerkungen zu Gounods Oper "Faust" am Staatstheater Karlsruhe

 

190111 Faust KA

Um eines gleich vorweg zu nehmen: Die Oper „Faust“, die derzeit am Staatstheater in Karlsruhe läuft, muss man nicht unbedingt gesehen haben (eine Hör-Empfehlung kann man allerdings sehr wohl aussprechen). Doch unbedingt diskutieren sollte man die Frage, ob die Regie derart verfremdend in ein Bühnenwerk eingreifen darf …

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Das Leben ist flüchtig wie eine Revue

Theater Baden-Baden nimmt das Musical "Cabaret" wieder auf

 

191017 Cabaret

John Kanders Welterfolg „Cabaret“ aus dem Jahr 1966 ist in dieser Spielzeit erneut am Theater Baden-Baden zu sehen. Ingmar Otto, auch in Karlsruhe kein Unbekannter, inszeniert das Musical als unterhaltsames Porträt einer bewegten Zeit (nächste Vorstellung am 9. November, 20 Uhr).

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Tennismatch in Tönen

Karlsruher Festival "ZeitGenuss" ist dem Konzeptkünstler Johannes Kreidler gewidmet

 

191024 Kreidler

Albrecht Dürers „Betende Hände“ - es könnten auch die „Clapping Hands“ von Steve Reich sein. Der Kontinent Afrika wiederum ähnelt ganz offenbar dem Korpus eines Konzertflügels, und schließlich kann man sogar die Sätze eines Tennis-Matches (in diesem Falle die Halbfinalniederlage von Boris Becker bei den French Open 1989, betitelt als „Trauermusik für Boris Becker“) als Generalbassbezifferung umdeuten – natürlich zu einem „Lamento-Bass“ ...

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Ohne Hoffnung

Schubertiade Ettlingen: Friedemann Röhlig und Thomas Seyboldt thematisieren die Endlichkeit des Lebens

 

191019 Schubertiade Fr Roehlig

Nicht gerade leicht zu verarbeiten war das kürzliche Programm der Ettlinger Schubertiade. Den gesamten Liederabend – diesmal musizierte Pianist Thomas Seyboldt mit dem Bassisten Friedemann Röhlig aus Karlsruhe – durchzog eine nächtliche, eine abgründige Tiefe.
Ein wahrhaft „herbstliches“ Konzert also – mit den charakteristischen Fragen um das Thema „Vergänglichkeit“
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Anmutig, brillant - und ein Ansporn für die Jüngeren

Weingartner Musiktage: Abschlusskonzert mit der Flötistin Kathrin Christians und der Jungen Südwestdeutschen Philharmonie

 

191020 Weingarten Abschlusskonzert

Mit einer großartigen jungen Künstlerin – und zwar nicht nur in musikalischer Hinsicht - gingen die Weingartner Musiktage in der evangelischen Kirche zu Ende: nämlich mit der Flötistin Kathrin Christians, die unter anderem in Mannheim und Stuttgart studierte. Dennoch hinterließ der Abend einen etwas zwiespältigen Eindruck: Denn die Junge Südwestdeutsche Philharmonie, die unter der Leitung von Fritz Burkhardt den Abend mitgestaltete, hatte zwar durchaus schöne und aussagekräftige Momente. Aber sie offenbarte aber auch, dass es dem Orchester noch an künstlerischer Reife fehlt.

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