Mit dramatischer Wucht

Selten zu hören: Frank Martins Passion "Golgotha"/ eindrucksvolle Aufführung in der Evangelischen Stadtkirche Karlsruhe

 

180330 Golgotha

Eine Radierung von Rembrandt - „Die drei Kreuze“ - inspirierte einst Frank Martin zu seiner Passion „Golgotha“. Der Schweizer Komponist, der 1890 als Sohn eines Pfarrers geboren und auch von der Musik Johann Sebastian Bachs geprägt wurde, war außerordentlich beeindruckt von den Hell-Dunkel-Kontrasten in diesem Bild. Ähnliches findet man auch in Martins Musik: In „Golgotha“ richtet sich sozusagen der gesamte Lichtkegel auf die Perso Jesu, und die Kontraste ergeben sich zudem in den düster-dramatischen Bildern mit den schwebend-meditativen Passagen, die zwischendurch immer wieder aufleuchten.
Selten ist das Werk im Konzertbetrieb zu hören; in Karlsruhe konnte man es jetzt innerhalb weniger Jahre zum zweiten Mal erleben: Diesmal an der Evangelischen Stadtkirche, mit dem BachChor und der Camerata2000 unter der Leitung von Kirchenmusikdirektor Christian-Markus Raiser.

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Wie eine große Musikerfamilie

Musikfest bei den Osterfestspielen: Berliner Philharmoniker in kleinen Besetzungen, dann begeistert das Bundesjugendorchester.

 

180329 Musikfest Rattle

Es war eine besonders familiäre, warmherzige Atmosphäre beim Musikfest in Baden-Baden. Traditionell wird es vom Bundesjugendorchester gestaltet, und dass Simon Rattle auch die Arbeit mit dem künstlerischen Nachwuchs sehr am Herzen liegt, ist nicht zu übersehen: „Ich liebe dieses Orchester - das ist unsere Zukunft, und ich glaube, die ist nicht allzu schlecht“, witzelte er.
Die Begeisterung ist offenbar gegenseitig – und deshalb wurde Rattle, der im Laufe der Jahre mit insgesamt etwa 500 hochtalentierten jungen Orchester-Musikern gearbeitet hatte, im Rahmen dieses Konzerts zum ersten Ehrendirigenten des Bundesjugendorchesters ernannt.
Auch die Mitglieder der Berliner Philharmoniker rückten nochmals in kleineren Besetzungen in den Fokus: Das fabelhafte Bläser-Ensemble etwa, dazu die Berliner Barock Solisten.

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Schwungvolle Komödie

Osterfestspiele Baden-Baden: Bei Mozarts "Gärtnerin aus Liebe" punkten die jungen Talente

 

180325 Gaertnerin

Es ist eine Art minimalistisches Gegenstück zum „Parsifal“: eine völlig entrümpelte Bühne in einem kargen Weiß, das förmlich dazu zwingt, die Leere mit rasantem Spiel auszufüllen. Und in der Tat: Mit Mozarts „Gärtnerin aus Liebe“ haben der Regisseur Christian Carsten und der Dramaturg Martin Mutschler in Baden-Baden eine Mischung aus heiterem Volkstheater und Kammeroper geschaffen. Ein Stück, das auf allen Ebenen punktet und beste Unterhaltung bietet.

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In Lauerstellung

Spannendes Konzert, wachsames Ensemble: Das Trio Gaspard gastierte im Schloss Bruchsal.

 

Trio Gaspard

Volksweisen haben die Musikliteratur im Laufe der Jahrunderte immer wieder bereichert; zu den bekanntesten Sammlern gehörte zum Beispiel Bela Bartok, der sich mit einem Phonografen eigens auf die Suche machte nach Liedern aus seiner ungarischen Heimat. Aber auch andere Komponisten griffen auf solche Weisen zurück: Joseph Haydn verarbeitete in seinem E-Dur-Trio (op 86,2) eine schottische Melodie, mit irischer Folkore setzte sich der Schweizer Frank Martin auseinander. Und Franz Schubert griff im Trio Es-Dur D 929 auf eine schwedische Weise zurück, die er bei einer Soiree kennen gelernt hatte. Insgesamt ein farbiges und spannendes Programm, das vom jungen Trio Gaspard vor kurzem im Bruchsaler Schloss vorgestellt wurde. Am 28.03. ist das Konzert im Abendprogramm bei SWR2 (20.03 Uhr) zu hören.

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Anmutige Bilder

Liederabend mit Tilman Lichdi und Thomas Seyboldt im Rahmen der Ettlinger Schubertiade

 

180304 Schubertiade

Von 1818 bis 1821 lebten Franz Schubert und sein Freund Johann Mayrhofer in Wien zusammen in einer äußert fruchtbaren „Künstler-WG“. Die Verbindung hatte allerdings schon früher begonnen. Von Mayrhofer – Dichter, Theologe und zugleich auch Revisor beim „k.uk. Bücherrevisionsamt“ - hat Schubert fast fünfzig Lieder vertont; eine Auswahl davon war kürzlich bei der Ettlinger Schubertiade mit Tilman Lichdi und Thomas Seyboldt zu hören: Wunderbare Szenen und affektive Bilder.

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Klagegesang und bissige Wortgefechte

Mischa MaiskyKarlsruher Meisterkonzert: Mischa Maisky und das SWR Symphonieorchester spielten Dvorak und Schostakowitsch.

Ein Weltstar war in Karlsruhe zu Gast: Im ausverkauften Konzerthaus spielte der Cellist Mischa Maisky gemeinsam mit dem neu gegründeten SWR Symphonieorchester; am Pult der erst 30jährige usbekische Dirigent Aziz Shokhakimov. Eine glückhafte Verbindung.
(Foto: PR/ Mat Hennek; Deutsche Grammophon)




 

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Der Zauber fehlte

 Händelfestspiele in Karlsruhe: "Alcina" konnte nicht überzeugen - ein Fazit.

 

Alcina Karlsruhe

Die Oper „Alcina“, 1735 in London uraufgeführt, gehört sicher zu den schönsten und populärsten Werken Händels, und auch 1978, zur Eröffnung der ersten Händel-Tage in Karlsruhe, stand sie auf dem Spielplan. Szenische Reduktion und dafür Konzentration auf das psychologische Drama wollten der US-amerikanische Regisseur James Darrah und seine Ausstatterin Chrisi Karvonides-Dushenko bieten – doch das ging leider schief. Als Eindruck überwog die Langeweile.

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Barocke Tänze und vergessene Opern

Händelfestspiele in Karlsruhe: Ein "Abendstern" mit Arien von Vivaldi

 

180219 Abendsterne

Eines der interessantesten Formate der Karlsruher Händel-Festspiele sind die so genannten „Abendsterne“, die erst in den vergangenen Jahren dem regulären Festspiel-Programm hinzugefügt worden sind. Denn nicht nur der Glanz der barocken Oper, das Drama der Liebeswirren rund um Götter und Könige gehören zu diesem Festival, sondern eben auch die „Verborgenen Schätze“ der barocken Kammermusik. Damit – und auch mit einigen Arien weniger bekannter Werke - begeisterten die norwegische Mezzosopranistin Tuva Semminsen und das Ensemble „Spissky & Friends“ in der Karlsruher Christuskirche.

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Brahms und Hindemith im Zwiegespräch

Das Klavierduo Herbert Schuch und Gülru Ensari bei den Bruchsaler Schlosskonzerten

 

Duo Schuch Ensari

Ein Dialog zwischen Johannes Brahms und Paul Hindemith? Auf diese Idee kamen vor einiger Zeit der Pianist Herbert Schuch und seine Ehefrau Gülru Ensari, die seit einigen Jahren ein Duo bilden: Irgendwann fiel ihnen auf, dass die vierhändigen Walzer op. 39, die Brahms 1865 schrieb, hervorragend mit jenen von Hindemith harmonieren.
Tonartlich sind sie verwandt, das Duo verschränkte sie ineinander, und heraus kam ein spannender und vielschichtiger Blick auf dieses Wiener Kulturgut.
Jetzt gastierten Herbert Schuch und Gülru Ensari bei den Bruchsaler Schlosskonzerten.

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Betrachtungen in c-moll

Außergewöhnliches Programm mit Bach und Mozart: Andras Schiff und die Cappella Andrea Barca in Baden-Baden

 

180203 Andras Schiff

Über die Dreiklangstöne C, Es und G sind Mozarts c-moll-Klavierkonzert (KV 491) und Bachs „Musikalisches Opfer“ verbunden – und das wiederum brachte den ungarischen Pianisten Andras Schiff auf eine ungewöhnliche Idee: Voller Bezüge und in sich verwoben war das Konzert, das er jetzt gemeinsam mit seinem Kammerorchester „Cappella Andrea Barca“ im Festspielhaus Baden-Baden gab. Für die beiden Bach-Konzerte BWV 1060 und BWV 1062 (letzteres vor allem bekannt als Konzert für zwei Violinen) agierte an seiner Seite die junge Pianistin Schaghajegh Nosrati.

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