In den Bann gezogen

Zum Sinfoniekonzert des Hochschulorchesters: Laurent Albrecht Breuninger spielte Jörg Widmanns Violinkonzert

 

170613 Sinfoniekonzert HfM

Spätestens nach solchen Aufführungen steht fest: Das Orchester der Karlsruher Musikhochschule ist ein fabelhafter Klangkörper, der das Konzertleben ganz ohne Frage bereichert. Mit verschiedenen Gastdirigenten arbeiten die jungen Musiker; diesmal mit Lutz Köhler, der unter anderem das Orchester an der Berliner Universität der Künste leitete.
Ungewöhnlich war das Programm, denn es gab ausschließlich Werke des 20. und 21. Jahrhunderts, zuerst Jörg Widmanns schweres Violinkonzert. Schwer deshalb, weil die Violine hier eine halbe Stunde lang ununterbrochen eine ganze Arie singt: Kraftvoll und emotional, mit ungheurer Klangwirkung. Laurent-Albrecht Breuninger, Professor an der Karlsruher Hochschule, zog die Zuhörer mitten hinein in dieses rastlose Werk.

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Reizüberflutung in der Rumpelkammer

Schillernde Bilderwelt: Zum Karlsruher "Siegfried" von Thorleifur Örn Arnarsson

 

170610 Siegfried

Dies ist das heitere Intermezzo im Ring-Zyklus. Und dementsprechend wird im Karlsruher "Siegfried" – diesmal unter der Regie des Isländers Thorleifur Örn Arnarsson - auch das Komödiantische betont: Ein wenig zu bunt, zu überladen, zu sehr auf Klamauk angelegt scheint die Geschichte um die Identitätsfindung des Halbstarken "Zeeg Freed" (so prangt es groß auf seinem T-Shirt).
Soweit der erste Eindruck. Doch es gibt etliche gute Ideen.

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Star-Solistin und gleichwertige Partnerin

In verschiedenen Rollen: Zum Auftritt von Anne-Sophie Mutter und ihren "Virtuosi" kürzlich in Baden-Baden

 

170605 Mutter Virtuosi

Außergewöhnlich an diesem Konzert ist schon der Beginn: Kein Feuer, keine sprühende Virtuosität; nichts, dass nach außen gerichtet wäre, sieht man einmal von der auffälligen Garderobe (Anne-Sophie Mutter trägt figurbetonte Leggins) ab. Nein: Die Star-Geigerin, dazu der Cellist Maximilian Hornung und der Pianist Daniil Trifonov, beginnen das Konzert im Festspielhaus Baden-Baden mit purer Innerlichkeit, mit einer kontemplativen Ruhe.

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Mit akribischer Feinheit erzählt

Wagners "Rheingold" bei den Pfingstfestspielen in Baden-Baden

 

170603 Rheingold

Es könnte alles so schön sein: Der Rhein als eine natürliche Ordnung, und eingebettet darin das Gold – anderen zur Freude. Aber die Rheintöchter in ihrer törichten Naivität verhalten sich ein wenig wie Hans im Glück: Sie lassen sich das Gold nehmen. Und in der Natur dieses Goldes liegt es offenbar, sämtliche niederen Triebe zu Tage zu fördern.
Die konzertante "Rheingold"-Aufführung bei den Baden-Badener Pfingstfestspielen jedenfalls tat genau dies: Sie brachte alles zum Vorschein. Marek Janowski erwies sich mit dem NDR Elbphilharmonie Orchester dabei als brillanter Dramatiker.

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Gesang ohne Grenzen

Pikant, witzig - und versiert in allen Epochen: Das Vokalensemble Singer Pur gastierte im Ettlinger Schloss

 

170526 Singer Pur

Die musikalischen Wurzeln liegen bei den Regensburger Domspatzen, aber die Sänger der ersten Stunde hatten auch ein Faible für den Jazz: So erklärt sich die stilistsche Vielfalt von Singer Pur, und sie war von Anfang an ein Markenzeichen des a-capella-Ensembles. Jetzt gastierten Claudia Reinhard (Sopran), Rüdiger Ballhorn, Markus Zapp und Manuel Warwitz (Tenor), Reiner Schneider-Waterberg (Bariton) und Marcus Schmidl (Bass) im Rahmen des Schwarzwald Musikfestivals im Ettlinger Schloss: Eine kurzweilige Zeitreise durch 25 Jahre Ensemble-Geschichte.

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Schlagzeug zwischen Meditation und Power

Fulminanter Schlusspunkt: Simone Rubino beendet die Saison der Bruchsaler Schlosskonzerte.

 

170521 Simone Rubino

Johann Sebastian Bach ist die Ruheinsel im Programm. Dieses Konzert unter dem Titel „Immortal Bach“ changiert auf eine reizvolle Art zwischen zwei Polen: An den Trommeln entlädt sich die gewaltige rhythmische Energie; die Sätze der dritten Cellosuite dagegen durchziehen das gesamte Programm wie ein roter Faden, als eine Art meditativer Rückzugsraum. Das Publikum im Schloss Bruchsal war begeistert.

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Zwischen Tradition und neuen Klängen

Sinnliches Japan: Das Festival "A propos" an der Karlsruher Musikhochschule rückte unter anderem die Sho ins Blickfeld.

 

170519 Apropos Japan

Die Sho ist eine japanische Mundorgel, ein kunstvolles Gebilde aus Bambus, und sie hat einen markanten Klang: Er ähnelt den hellen, „metallischen“ Registern der Orgel, aber ein wenig erinnert er auch an eine Mundharmonika.
Seit dem 8. Jahrhundert wurde die Sho am japanischen Kaiserhaus in der traditionellen Hofmusik eingesetzt. Das Festival „A propos … Japan“ an der Karlsruher Musikhochschule fügte weitere Facetten hinzu.
Bereichert wurden die Konzerte unter anderem auch durch eine Ausstellung: Die Bilder von Tetsuya Nagatake sind noch bis zum 24. Mai im Foyer des Wolfgang-Rihm-Forums zu sehen.

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Großes Drama und leise Töne

Hilary Hahn und das Orchestre National de Lyon im Festspielhaus Baden-Baden

 

170512 Hilary Hahn

Der Komponist Hector Berlioz gastierte oft in Baden-Baden. Seine Oper „Béatrice et Bénédict“ wurde zur Einweihung des neuen Theaters in der Kurstadt uraufgeführt; zum Gedenken ist die Parkanlage neben dem Festspielhaus nach ihm benannt.
Und so hatte das Programm des Orchestre National de Lyon, das jetzt mit seinem Chef Leonard Slatkin und der Geigerin Hilary Hahn an der Oos gastierte, auch einen regionalen Bezug: Zu hören war Berlioz' „Symphonie fantastique“.
Hilary Hahn hingegen widmete sich Tschaikowskys Violinkonzert – und entlockte diesem Werk fabelhaft zarte Töne.

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Großartige Klangregie

Herbert Blomstedt und die Wiener Philarmoniker im Festspielhaus Baden-Baden

 

170505 Blomstedt

Mit der Noblesse eines Gentleman steht Herbert Blomstedt am Pult, und ja, man liest richtig: Der ehemalige Chef des Gewandhausorchesters, der nach wie vor auf sämtlichen großen Bühnen dirigiert und jetzt die Ehrenmedaille der Stadt Leipzig erhält – er wird tatsächlich demnächst 90 Jahre alt.
Im Festspielhaus Baden-Baden stand der schwedische Dirigent nun am Pult der Wiener Philharmoniker; es gab einen wunderbaren Wiener Abend mit Mozart und Bruckner.

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Rundfunk-Oper als Bühnenstück

Hermann Reutters "Die Brücke von San Luis Rey" an der Musikhochschule Karlsruhe

 

170429 San Luis Rey

In den zwanziger Jahren kam die Gattung „Funk-Oper“ auf; eines der bedeutendsten Werke ist „Der Lindberghflug“ von Bert Brecht und Paul Hindemith aus dem Jahr 1929.
Besonders nach dem zweiten Weltkrieg wuchs die Popularität dieser Musikform: Denn die traditionelle Oper war politisch missbraucht und zudem überladen worden, nun musste eine reduzierte Form her.
Aus dieser Zeit stammt Hermann Reutters „Die Brücke von San Luis Rey“ nach dem Welterfolg von Thornton Wilder. 1954 wurde das Stück für den Hessischen Rundfunk produziert, später kam es auf die Bühne – und an der Musikhochschule Karlsruhe haben Andrea Raabe und Stephan Mösch das vergessene Stück jetzt neu entdeckt. Am heutigen Dienstag, den 2. Mai und am Donnerstag, den 4. Mai ist die Oper noch zu sehen.

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