Der Mensch soll getröstet werden

Musik von Brahms an der Christuskirche Karlsruhe: Oratorienchor und Kammerchor erinnerten unter anderem an die Uraufführung des "Schicksalsliedes" vor 150 Jahren

 

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Das „Deutsche Requiem“ und das „Schicksalslied“ op. 54 von Johannes Brahms - das sind Werke, die hin und wieder gemeinsam im Konzert erklingen, auch wenn ersteres eine ungleich größere Popularität genießt.
In Karlsruhe haben diese Werke nochmals eine andere Bedeutung: Denn vor 150 Jahren – am 18. Oktober 1871 – dirigierte Brahms hier die Uraufführung des „Schicksalsliedes“; in der badischen Residenzstadt (und in Baden-Baden) entstanden auch Teile des Requiems.
Generell spielt die Region eine gewichtige Rolle im Schaffen des Komponisten. Denn am hiesigen Hoftheater wirkte sein Freund Hermann Levi, und in Baden-Baden hatte er eine Residenz im heutigen „Brahms-Haus“, verbrachte diese Zeit somit in unmittelbarer Nähe zu Clara Schumann, die zwischen 1863 und 1873 ebenfalls dort lebte.
An diese historischen Bezüge erinnerte nun eine mitreißende Aufführung beider Werke in der Karlsruher Christuskirche. 

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Nur im ersten Teil überzeugend

Zum Klavierabend mit Ragna Schirmer im Konzerthaus Karlsruhe

Die Pianistin Ragna Schirmer ist bekannt dafür, ihre Konzert-Programme meist mit einer verbindenden Idee zu überschreiben – gerne denkt man hier zum Beispiel an den originellen Ravel-Abend vor einigen Jahren, der in ein Puppenspiel eingebettet war. Dementsprechend hoch war die Erwartung nun bei ihrem Klavierabend im Konzerthaus Karlsruhe.
Die Form der „Fantasie“, oft aus Improvisationen hervorgegangen, ferner Balladen und Miniaturen – das sind musikalische „Erzähltechniken“, die sich zu einem spannenden und wirkungsvollen Programm vereinen lassen; hinzu tritt das „Charakterstück“ als eine Ausdrucksform der Romantik. In diesem Fall war das Robert Schumanns „Carnaval“ op. 9.
Doch gerade der „Carnaval“ hinterließ – wie im übrigen auch zum Teil ihre Moderationen – einen zweifelhaften Eindruck.

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Kriegsgemälde und Seelenbilder

Packende Aufführung in Baden-Baden: Berliner Philharmoniker beenden Gastspiel mit Tschaikowskys "Mazeppa"

 

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Neben „Eugen Onegin“ oder „Pique Dame“ führt Tschaikowskys „Mazeppa“ ein stiefmütterliches Dasein auf deutschen Bühnen; sie gilt als dramaturgisch schwach, leidet unter Zeitsprüngen und Widersprüchlichkeiten. Im Rahmen der europäischen Kulturtage 2006 war sie in Karlsruhe zu sehen – doch die konzertante Fassung kürzlich im Festspielhaus Baden-Baden zeigte überdeutlich, wie mitreißend diese Oper klingen kann, wenn sie so pointiert und effektvoll musiziert wird, wie Kirill Petrenko und die Berliner Philharmoniker dies taten.

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Beklemmender Dialog mit Strawinsky

Das Brentano String Quartet bot bei den Bruchsaler Schlosskonzerten ein ungewöhnliches Programm

 

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Auch wenn viele Veranstaltungen derzeit wieder den Anschein des Normalen vermitteln - von einer echten Normalität ist man nach wie vor weit entfernt. Spürbar wird das an manchen Kleinigkeiten: Das Pausen-Catering entfällt vielfach – und damit eine gewisse Geselligkeit. Das Publikum trägt immer noch Maske, und in kleinen Räumen tun das bisweilen sogar die Musiker. Insgesamt werden die Begegnungen so reduziert wie möglich gehalten, doch damit geht viel von jener Atmosphäre verloren, die einen Konzertabend wirklich ausmachen.
Die Bruchsaler Schlosskonzerte, die nun ebenfalls wieder gestartet sind, spiegelten diese Situation beim Gastspiel des Brentano String Quartet in nahezu frappierender Weise: Die Musik hatte etwas durch und durch Beklemmendes, Unwirkliches. Ausgehend von den „Drei Stücken für Streichquartett“ von Igor Strawinsky (an dessen 50. Todestag der Abend erinnerte) bot das Ensemble ein ungewöhnliches Programm: Strawinsky trat hier sozusagen in einen Dialog mit John Cage, Schostakowitsch, Verdi, Gesualdo. 

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Virtuosität im Dienste des Ausdrucks

Alumnikonzert an der Musikhochschule mit dem Geiger Daniel Lozakovich

 

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Erst 20 Jahre alt ist der Geiger Daniel Lozakovich, doch sein Lebenslauf füllt bereits Seiten. Eine wesentliche Station hierin ist ein Exklusiv-Vertrag mit der Deutschen Garmmophon, den er bereits mit 15 Jahren unterschrieb; zu seinen Mentoren zählt unter anderem Valery Gergiev.
2001 wurde Daniel Lozakovich in Stockholm geboren, sein Vater stammt aus Belarus, seine Mutter aus Kirgisien. Ab 2012 studierte er an der Karlsruher Musikhochschule bei Josef Rissin. Nun besuchte er im Rahmen der Alumni-Konzerte seine ehemalige Ausbildungsstätte erneut, und er bestritt – das ist relativ ungewöhnlich – ein Programm allein für Violine solo. Johann Sebastian Bach und die Virtuosen Eugène Ysaye und Niccolo Paganini waren zu hören.

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Franz Danzi - eine Entdeckung

Das Karlsruher Barockorchester Consort präsentierte die Musik des einstigen Hofkapellmeisters in der Christuskirche

 

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Er hat Carl Maria von Weber entscheidend beeinflusst, seine Musik gilt als richtungsweisend am Übergang zwischen Klassik und Romantik – und doch hört man ihn viel zu selten, denn sein Name ist kaum ein Begriff.
Die Rede ist von Franz Danzi, dem Schöpfer wunderbarer Kammermusik für Bläser. Unter Kurfürst Carl Theodor gehörte Danzi, von Hause aus Cellist, schon in jungen Jahren der berühmten Mannheimer Hofkapelle an. Nach Stationen in München und Stuttgart wirkte er schließlich als Hofkapellmeister in Karlsruhe.
Das Karlsruher Barockorchester Consort widmete ihm nun ein ganzes Konzert in der Christuskirche, bedauerlich war allerdings das relativ spärliche Publikum: Wer diesem großartigen Abend nicht beiwohnen konnte, der hat definitiv einiges verpasst.

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Madrigale und Obertongesang

Das Ensemble „Nordic Voices“ gastierte beim Schwarzwald Musikfestival in Ettlingen

 

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Das Konzert mit den „Nordic Voices“ im Rahmen des Schwarzwald Musikfestivals hing am seidenen Faden. Der Flug von Oslo war gestrichen worden; erst kurz vor Konzertbeginn – und dies offenbar nach einer Odyssee durch Europa – kam das norwegische Vokalensemble in Ettlingen an. Gut gelaunt (und bestens bei Stimme!) betraten die Künstler dennoch die Bühne im Asamsaal; die Reisestrapazen waren ihnen kaum anzumerken.
Ursprünglich war das Konzert als Teil einer Tournee im vergangenen Jahr geplant, doch für das verschobene Festival kamen die „Nordic Voices“, so erzählt Intendant Mark Mast, „nun extra für einen einzigen Abend“. Mit einer Mischung aus nordischer Folklore, zeitgenössischer Musik und mit Anklängen an Mittelalter und Renaissance bescherten sie den zahlreichen Hörern einen unterhaltsamen Abend.

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Zwischen Komik und Fallhöhe

Ästhetisch und schwungvoll: Mozarts "La finta giardinera" eröffnet die Opernspielzeit am Staatstheater Karlsruhe

 

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Mit Mozarts Frühwerk "La finta giardinera" (Die Gärtnerin aus Liebe), uraufgeführt im Jahr 1775, ist am Karlsruher Staatstheater in der Inszenierung von Oberspielleiterin Anja Kühnhold ein unterhaltsames Musiktheater gelungen, das sämtliche Sinne befriedigt. 

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Eindringliche Szenen eines lebensmüden Wanderers

Packende Interpretation von Franz Schuberts "Winterreise" bei der Ettlinger Schubertiade

 

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Wenn bei der Ettlinger Schubertiade die „Winterreise“ aufgeführt wird, muss sich jeder Abend messen lassen an der großartigen Interpretation von Thomas Seyboldt und Hans Christoph Begemann im November vor zwölf Jahren. Doch ebenso packend wie erschütternd war jetzt das Konzert mit dem Tenor Tilman Lichdi.

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Das Orchester liefert die großen Bilder

Mozarts „Idomeneo“ begeistert durch reiche Farbwirkungen: Zur Aufführung mit Thomas Hengelbrock, den Balthasar-Neumann-Ensembles und überragenden Solisten in Baden-Baden

 

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Für manche Opern, so scheint es, braucht es keine Regie – die Musik ist Inszenierung genug. Mozarts Oper „Idomeneo“ gehört zweifellos dazu; sie war (als konzertante Aufführung) die Hauptproduktion im ersten Teil der Herbstfestspiele in Baden-Baden. Die inneren Stürme, die Liebesregungen, die Erschütterungen, zudem gespiegelt von äußerer Natursymbolik – all das wurde im Festspielhaus Baden-Baden so packend musiziert, dass man phasenweise mit jedem Takt etwas weiter nach vorne auf die Stuhlkante rückte ... .

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