Klingendes Dokument, erschütterndes Schicksal

Zur Aufführung des Oratoriums "Annelies" in der Stadtkirche Durlach

 

191110 Anne Frank

Im Juni diesen Jahres wäre Anne (Annelies Marie) Frank 90 Jahre alt geworden. Die Familie, zunächst in Frankfurt ansässig, zog bereits kurz nach der Machtergreifung nach Amsterdam. Als 1940 jedoch die Deutsche Wehrmacht die Niederlande besetzte, flohen die Franks einige Zeit später in das Versteck eines Hinterhauses. Das Tagebuch, das Anne in in den Jahren bis zu ihrer Verhaftung führte, gilt nicht nur als bedeutendes Zeitdokument, sondern es offenbart auch bereits die Beobachtungsgabe eines jungen Mädchens, das eigentlich Schriftstellerin werden wollte.
Es liegt nahe, ein solches Dokument auch zu vertonen: Im Jahr 2005 schuf der britische Komponist James Whitbourn mit „Annelies“ ein Oratorium auf der Grundlage dieser Texte - ausgewählt und zusammengestellt von der jungen Autorin Melanie Challenger. Es ist ein Werk in dichter Atmosphäre – und dankenswert, dass jetzt Johannes Blomenkamp gemeinsam mit der Durlacher Kantorei, der Sopranistin Sabine Goetz und dem Leopold Ensemble an das jüdische Schicksal erinnerte.

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Beethoven, in allen Facetten

Voller Überraschungen: Das Konzert mit dem Phaeton Piano Trio in Bruchsal

 

191108 Phaeton Trio

Der große Jubilar des kommenden Jahres – Ludwig van Beethoven – beschäftigt Künstler und Veranstalter bereits zum jetzigen Zeitpunkt. Bei den Bruchsaler Schlosskonzerten mit dem Phaeton Piano Trio gab es einen monothematischen Abend, und hier waren nicht nur die Werke des großen Meisters gefragt, sondern auch die der zeitgenössischen Musik-Schöpfer, die sich mit Beethovens Musik auseinander gesetzt haben: etwa der junge Komponist Johannes X. Schachtner mit seiner „Triokonversation“, oder die Schüler des Karlsruher Helmholtz-Gymnasium (Hinweis: Der Konzertmitschnitt ist am 04.01.20 um 20.03 im SWR2 2“Abendkonzert“ zu hören; die Werke der Schüler am 22.01. ab 10.03 Uhr).

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Ohne Gott ist alles besser

Anmerkungen zu Gounods Oper "Faust" am Staatstheater Karlsruhe

 

190111 Faust KA

Um eines gleich vorweg zu nehmen: Die Oper „Faust“, die derzeit am Staatstheater in Karlsruhe läuft, muss man nicht unbedingt gesehen haben (eine Hör-Empfehlung kann man allerdings sehr wohl aussprechen). Doch unbedingt diskutieren sollte man die Frage, ob die Regie derart verfremdend in ein Bühnenwerk eingreifen darf …

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Das Leben ist flüchtig wie eine Revue

Theater Baden-Baden nimmt das Musical "Cabaret" wieder auf

 

191017 Cabaret

John Kanders Welterfolg „Cabaret“ aus dem Jahr 1966 ist in dieser Spielzeit erneut am Theater Baden-Baden zu sehen. Ingmar Otto, auch in Karlsruhe kein Unbekannter, inszeniert das Musical als unterhaltsames Porträt einer bewegten Zeit (nächste Vorstellung am 9. November, 20 Uhr).

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Tennismatch in Tönen

Karlsruher Festival "ZeitGenuss" ist dem Konzeptkünstler Johannes Kreidler gewidmet

 

191024 Kreidler

Konzeptkunst – so nennt man es, wenn bei einem Kunstwerk nicht mehr die Ausführung, sondern eine Idee im Vordergrund steht; wenn Gewohnheiten auf den Kopf gestellt, Zusammenhänge aufgebrochen, Werke in einen unerwarteten Kontext gestellt werden.
Man kennt das vor allem aus der bildenden Kunst, doch der 39jährige Komponist und Medienkünstler Johannes Kreidler – gleichermaßen umstritten wie bejubelt – vermischt die Grenzen zwischen Klang und Bild. Auch politische Inhalte (etwa Urheberrecht oder Fremdarbeit) thematisiert er, aus Börsenkursen (bis hin zum Crash) leitet er Melodien ab.
Noch bis morgen ist sein Werk beim Karlsruher Festival „ZeitGenuss“ zu sehen und zu hören
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Ohne Hoffnung

Schubertiade Ettlingen: Friedemann Röhlig und Thomas Seyboldt thematisieren die Endlichkeit des Lebens

 

191019 Schubertiade Fr Roehlig

Nicht gerade leicht zu verarbeiten war das kürzliche Programm der Ettlinger Schubertiade. Den gesamten Liederabend – diesmal musizierte Pianist Thomas Seyboldt mit dem Bassisten Friedemann Röhlig aus Karlsruhe – durchzog eine nächtliche, eine abgründige Tiefe.
Ein wahrhaft „herbstliches“ Konzert also – mit den charakteristischen Fragen um das Thema „Vergänglichkeit“
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Anmutig, brillant - und ein Ansporn für die Jüngeren

Weingartner Musiktage: Abschlusskonzert mit der Flötistin Kathrin Christians und der Jungen Südwestdeutschen Philharmonie

 

191020 Weingarten Abschlusskonzert

Mit einer großartigen jungen Künstlerin – und zwar nicht nur in musikalischer Hinsicht - gingen die Weingartner Musiktage in der evangelischen Kirche zu Ende: nämlich mit der Flötistin Kathrin Christians, die unter anderem in Mannheim und Stuttgart studierte. Dennoch hinterließ der Abend einen etwas zwiespältigen Eindruck: Denn die Junge Südwestdeutsche Philharmonie, die unter der Leitung von Fritz Burkhardt den Abend mitgestaltete, hatte zwar durchaus schöne und aussagekräftige Momente. Aber sie offenbarte aber auch, dass es dem Orchester noch an künstlerischer Reife fehlt.

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Familienbande

In Weingarten spielte der Pianist Gerhard Vielhaber mit Neffe Jon und Nichte Lia

 

191018 Weingarten Vielhaber

Familiäre Beziehungen unter Komponisten, dazu ihre Freunde oder Weggefährten – das erlebt man häufiger als roten Faden in Konzertprogrammen; in letzter Zeit vor allem bei Robert und Clara Schumann.
Ein ganz anderes, nicht weniger spannendes Format ist es allerdings, wenn Interpreten gemeinsam mit den ebenfalls musizierenden Kindern, Geschwistern oder auch Nichten und Neffen auftreten. Seit einiger Zeit gehören solche Konzerte zum festen Programm der Weingartner Musiktage Junger Künstler: Im Autohaus Morrkopf gastierte vor kurzem Gerhard Vielhaber, Pianist des Mariani Klavierquartetts, mit seiner Nichte Lia (Violoncello) und dem Neffen Jon (Trompete). Ein Abend mit ungewöhnlichem Repertoire, wie sich bereits aus der Besetzung ergibt
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Heinrich Schütz und die Bildkraft der Musik

Nachbetrachtung zum Internationalen Heinrich-Schütz-Fest (II): Die "Psalmen Davids" mit dem Dresdner Kammerchor/ Konzert des CoroPiccolo im ZKM

 

Hans Christoph Rademann

Die „Psalmen Davids“ von Heinrich Schütz gehören zum Eindrucksvollsten, was an Chormusik je geschrieben wurde, und so war auch der Auftritt des Dresdner Kammerchores unter Hans-Christoph Rademann in der Evangelischen Stadtkirche in Karlsruhe sicher einer der Höhepunkte des Heinrich-Schütz-Festes.
Zuvor, beim Konzert des CoroPiccolo („Raum-Zeit-Klang“) im ZKM, überwogen dagegen die weichen Klangflächen – und Heinrich Schütz diente unter anderem als Material für elektronisch verfremdete Musik.

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Barocker Glanz und das Elend des Krieges

Nachbetrachtung zum Heinrich-Schütz-Fest (I): Das Johann Rosenmüller Ensemble in der Stadtkirche Durlach

 

191010 Johann Rosenmueller

Wer jüngst beim Heinrich-Schütz-Fest das Konzert des Johann Rosenmüller Ensembles in der Durlacher Stadtkirche erlebte, der hörte erstmals Musik, die seit mehr als dreihundert Jahren nicht mehr aufgeführt wurde. Denn unter anderem erklangen dort auch Werke der Durlacher Hofmusiker.
Es sei einfach großartig, sagte Kantor Johannes Blomenkamp, „dass es Institutionen gibt, die dafür sorgen, dass diese Musik so klingt, als sei die Tinte gerade erst getrocknet.“ Und in der Tat – einen solchen Eindruck hinterließ auch das Leipziger Johann Rosenmüller Ensemble unter der Leitung des Zinkenisten und Musikwissenschaftlers Arno Paduch.
Studierende des Karlsruher Instituts für Musikwissenschaft und Musikinformatik hatten unter der Leitung von Stefanie Steiner-Grage und Thomas Seedorf ein aufführungsfähiges Notenmaterial dieser Werke bereit gestellt.

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