Die Blockflöte - eine Verwandlungskünstlerin

Das Dorothee Oberlinger Trio spielte in der Evangelischen Stadtkirche in Baden-Baden.

 

171112 Oberlinger Trio

An dieser Bemerkung kommt man einfach nicht vorbei, wenn man mit sich mit der Blockflöte befasst: nämlich, dass dieses Kinderinstrument auch wunderschön klingen kann. Dass es (dank verschiedener Größen und Klangfarben) extrem wandlungsfähig ist, und dass es oft virtuos und sinnlich daherkommt. Denn zu präsent ist einfach das fiepende Stück Holz in Kinderhänden, das eben meist doch eher einen pädagogischen Zweck erfüllt.
Aber wer sich ernsthaft für die Blockflöte interessiert, der kommt vor allem an Dorothee Oberlinger nicht vorbei - ECHO-Preisträgerin und derzeit eine der führenden Interpretinnen an diesem Instrument. Im Rahmen der Herbstfestspiele war sie jetzt zu Gast in der Evangelischen Stadtkirche in Baden-Baden.

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Eine klangsinnliche Mischung

Die Klarinettistin Annelien Van Wauve, die Geigerin Tianwa Yang und die Pianistin Evgenia Rubinova im Bruchsaler Schloss

 

Van Wauve Yang Rubinova

Wie finden drei namhafte Solokünstlerinnnen zum Ensemble zusammen? Man kenne sich eben, sagt Tianwa Yang im Künstlergespräch vor dem Bruchsaler Schlosskonzert, und ob man zusammenpasse, das merke man relativ schnell.
Ganz hervorragend passen jedenfalls die aus China stammende Geigerin und die belgische Klarinettistin Annelien Van Wauve zusammen, dazu die russische Pianistin Evgenia Rubinova – und diese ungewöhnliche Besetzung sorgte zudem für ein ungewöhnliches Programm.

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Namenlose Musizier-Freude

Eine echte Entdeckung: Beethovens "Leonore", der Vorläufer des "Fidelio", war bei den Herbstfestspielen in Baden-Baden zu hören.

 

171103 Leonore

Beethovens „Fidelio“ wird in letzter Zeit in der ursprünglichen Fassung neu entdeckt - zumindest erscheint die „Leonore“ von 1805 gelegentlich auf den Spielplänen. Gewissermaßen als eine Art Botschafter für dieses Werk sind derzeit der Dirigent René Jacobs und das Freiburger Barockorchester unterwegs. Diese (halbszenische) Version war auch im Rahmen der Baden-Badener Herbstfestspiele zu erleben – und man fragt sich allen Ernstes, wie das Werk einst bei seiner Uraufführung durchfallen konnte. Nun, eine schlechte Aufführungsqualität ist zwar historisch belegt, aber: „Leonore“ ist auf alle Fälle das subtilere Drama und gehört unbedingt auf die Opernbühnen.

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Spark-ling: Ein schillernder Sound

Die klassische Band "Spark" feierte Jubiläum an der Karlsruher Musikhochschule.

 

171102 Spark

Man braucht nicht lange, um herauszufinden, weshalb die Musik von „Spark“ (der klassischen Band, die musikalisch eigentlich zwischen sämtlichen Stühlen sitzt) so gut funktioniert.
Die eingängigen Muster des Minimalismus - oft sind es Stücke von Michael Nyman - dazu der rhythmische Puls, der stark an Pop-Beats erinnert, und schließlich ein Hauch von Exotik: Das kommt offenbar gut an, vor allem bei den Jüngeren. Im nahezu ausverkauften Wolfgang-Rihm-Forum (dort gibt es immerhin 400 Plätze) feierte die Band, die 2011 den ECHO bekam, jetzt ihr zehnjähriges Jubiläum – und kehrte damit an die alte Wirkungsstätte zurück.

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"Ein feste Burg": Musik zur Reformation in Karlsruhe

Unfangreiche Programme in Konzert und Gottesdienst  

 

171029 Reformation

Bei den Karlsruher Meisterkonzerten nannte man das Programm den „Soundtrack Luthers“: Mendelssohns „Reformationssinfonie“, komponiert zur 300-Jahr-Feier des Augsburger Bekenntnisses, mit ihren Anklängen an den Choral „Ein feste Burg“ ist unser Gott“. Tags darauf war die entsprechende Kantate von Johann Sebastian Bach zu hören - bei der Verabschiedung von Kirchenmusikdirektor Carsten Wiebusch, der mit seinem Ruf an die Frankfurter Musikhochschule auch seinen Dienst als Kantor an der Christuskirche beendete. In den vielfältigen Chören zeigte sich nochmals die großartige Arbeit, die der Kirchenmusiker in den vergangenen Jahren geleistet hat. Alles in allem: Ein facettenreiches Reformationsgedenken aus musikalischer Sicht.

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Konflikt-reich

Das "Trio Konflikt" gehörte zu den Höhepunkten der vor kurzem zu Ende gegangenen Weingartner Musiktage Junger Künstler.

 

161023 Akademische Feier

Vor kurzem gingen die Weingartner Musiktage zu Ende, und dass „Familienbande“ bisweilen im Konzertprogramm einen besonderen Akzent setzen, bewies das japanisch-koreanische Trio „Konflikt“. Was Vater, Mutter und Tochter hier gemeinsam auf die Bühne brachten, das dürfte – bei aller Tendenz, Musik vielfach über sämtliche Sparten und kulturelle Grenzen hinweg anzubieten – eher zu den Raritäten gehören.
Der Schlagzeuger Isao Nakamura, seine Frau, die Pianistin Kaya Han, und dazu Tochter Ena Han, die auch im traditionellen koreanischen Tanz geschult ist - das ist eine Besetzung, die man so auf Anhieb nicht unbedingt zusammenbringen würde.

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Luther und die Musik: Spannende Gegensätze beim Konzert in der Stadtkirche

CoroPiccolo, Barockorchester und Solisten mit "Lutherischen Messen" und Bach-Kantate/ Christian-Markus Raiser schrieb eine ansprechende Motette 

 

Coro Piccolo

Das Reformationsjahr bringt in der Kirchenmusik manches hervor, was man ansonsten eher selten oder gar nicht zu hören bekommt: Bachs „Lutherische Messen“ zum Beispiel. Diese vier Messen heißen so, weil es sich dabei um Kyrie-Gloria-Vertonungen handelt. Im Protestantismus waren sie eher üblich als etwa die gesamte Vertonung des Mess-Ordinariums, wie man es aus der katholischen Kirche kennt.
Dafür sind aber die protestantischen Vertonungen ausführlicher; an den Kyrie-Ruf schließt sich zum Beispiel ein mehrteiligen „Gloria“. Das wiederum verweist auf die h-moll-Messe – und tatsächlich: Die „Lutherischen Messen“ kehren wieder in diesem großen und bekannten Werk.
Zu erleben waren jetzt zwei der Messen unter der Leitung von Christian-Markus Raiser in der Evangelischen Stadtkirche Karlsruhe: mit dem CoroPiccolo, dem Karlsruher Barockorchester und mit namhaften Solisten. Im Mittelpunkt dabei: „Gott der Herr ist Sonn und Schild“, die eigentliche Bachsche „Reformationskantate“.

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Und am Ende flirrt die Luft

Die Blockflötistin Lucie Horsch gastierte bei den Weingartner Musiktagen

 

171020 Lucie Horsch

"Ich habe früher auch mal Blockflöte gespielt ...“ Mit dieser Bemerkung müssen Musiker, die sich für dieses Instrument entschieden haben, meist leben. Denn in erster Linie sind es die Kenner, die wissen, dass man mit der Blockflöte auch einen virtuosen Vivaldi spielen kann – und dass alles nichts mehr mit dem Fiepen aus Kindertagen zu tun hat.
Bei den Weingartner Musiktagen, beim Konzert der „Rising Stars“ im Autohaus Morrkopf, ging Stefan Burkhardt (der zusammen mit Thomas Jehle die Doppel-Spitze des Festivals bildet) gleich in die Offensive und befragte das Publikum. Da kamen verhaltene Lacher, einige Finger gingen zögernd in die Höhe: Ja, irgendwann hat wohl jeder mal versucht, dieser Holzröhre mehr oder weniger schöne Töne zu entlocken. Und auffallend war: Im Publikum saßen etliche junge Leute.
Die ebenfalls noch junge Blocklfötistin Lucie Horsch aus den Niederlanden - die nicht nur auf internatinalen Festivals, sondern beispielsweise auch im Kinderkanal zu erleben ist - zieht offenbar ein jüngeres Publikum an. Und das bekommt auf diese Weise die Chance zu hören, was auf dem oft belächelten „pädagogischen Instrument“ so alles möglich ist.

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Brahms: Gewogen und zu leicht befunden

Lässig und leicht beim Ettlinger Schlosskonzert: Der Pianist Martin Klett überzeugt vor allem mit südamerikanischer Musik.

 

171001 Martin Klett

Der Pianist Martin Klett hat sich unter anderem als Teil des Duos „Riul“ - an der Seite des Klarinettisten Sebastian Manz – einen Namen gemacht. Eine Leidenschaft hat der junge Pianist zudem für lateinamerikanische Musik, was sich in seinem „Cuarteto Sol Tango“ zeigt, und so lautete das Motto für seinen Solo-Auftritt bei den Ettlinger Schlosskonzerten: „Einmal Südamerika und zurück“. Sympathisch auch seine (allerdings manchmal etwas zu flapsigen) Zwischenmoderationen. Dennoch: Diese Leichtigkeit, die Martin Klett auch beim Spiel verströmte, war nicht immer passend.

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Hommage an einen großen Musiker

Zum 100. Geburtstag des Pianisten Dinu Lipatti: Festival "Ja ... Musik!" mit Gedenkkonzert im Rastatter Schloss

Der rumänische Pianist Dinu Lipatti gilt manchem Kenner noch heute als Maßstab – und wer weiß, aus ihm geworden wäre, hätte ihn nicht seine schwere Krankheit (Lipatti litt jahrelang an einem Hodgkin-Lymphom) im Alter von erst 33 Jahren aus dem Leben gerissen. In einer einzigen Woche sind jene Tonträger entstanden, die nach wie vor Zeugnis geben von seiner außergewöhnlichen Kunst. Im März wäre Lipatti 100 Jahre alt geworden, und dankenswerterweise erinnerte jetzt die Geigerin Jenny Abel im Rahmen ihres Festivals „Ja … Musik!“ an den großen Pianisten, der daneben auch komponierte und einige reizvolle Lieder hinterlassen hat.
Zu Gast im Ahnensaal der Rastatter Barockresidenz waren jetzt der Tenor Markus Schäfer und der Pianist Mihai Ungureanu. Dazu gab es eine Uraufführung der ebenfalls aus Rumänien stammenden Komponistin Violeta Dinescu.

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