Wuchtiger Liszt an der Steinmeyer-Orgel

Internationaler Orgelsommer in Karlsruhe startete mit Tamas Bodiss aus Budapest

 

190714 Tamas Bodiss Orgel

Die Orgelsituation in der Alt- und Mittelstadtgemeinde in Karlsruhe war zuvor schon komfortabel - mit der französisch-barocken Rémy-Mahler-Chorogel und dem großen Steinmeyer-Instrument in der Stadtkirche konnte man nahezu jedes Repertoire realisieren - doch jetzt schöpft man geradezu aus dem Vollen. Denn das Klangbild der neuen Lenter-Orgel in der Kleinen Kirche schafft noch zusätzlich eine Brücke zwischen dem 18. und dem 19. Jahrhundert.
An sich ist das eine Bereicherung für den Internationalen Orgelsommer, doch zugleich ist es auch problematisch. Denn das Programm des ersten Gastes - es spielte Tamas Bodiss aus Budapest - zerfiel ein wenig. Das war wohl auch der Tatsache geschuldet, dass die Besucher zwischendurch, wie bei einem Wandelkonzert, die Kirchenräume wechselten ... 

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Der Reichtum des Barock

Grötzinger Musiktage: Das Trio des Thomaskantors Gotthold Schwarz spielte in der evangelischen Kirche.

 

190711 Gotthold Schwarz

Das barocke Zeitalter ist unglaublich vielfältig an Stilen und Einflüssen; die Bezeichnung „empfindsam und virtuos“ - so war das jüngste Konzert bei den Grötzinger Musiktagen überschrieben – zeigt etwas von diesem Kontrast, wenn auch sehr zugespitzt. Zu Gast war das Trio um den Bariton und Thomaskantor Gotthold Schwarz, mit Siegfried Pank (Leipzig) und Hans Christoph Becker-Foss (Hameln) an Gambe und Orgel. Dazu bot der historische Innenraum der evangelischen Kirche einen wunderbaren Rahmen für die geistlichen Lieder und Konzerte aus Deutschland, Frankreich und Italien.
Und Gotthold Schwarz richtete gleich einen Appell an das Publikum: Er sei immer auf der Suche nach begabten Jungen für den Thomanerchor; es sei ein großer Vorzug, sich ein Leben lang mit dieser Musik zu beschäftigen.

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Mit 78 noch immer Weltklasse

Denkwürdiger Abschluss: Verdis "Simone Boccanegra" mit Placido Domingo war wohl mit das Bemerkenswerteste der Baden-Badener Sommerfestspiele.

 

190715 Simone Boccanegra BAD

Vor ziemlich genau zehn Jahren wechselte Placido Domingo ins Bariton-Fach – und zwar ebenfalls mit Simone Boccanegra, einer Partie, die er mit überwältigendem Erfolg an der Berliner Staatsoper sang. Damit verhalf er Verdis selten gespielter Oper zu einer größeren Bekanntheit innerhalb den letzten Jahre.
Und eines ist klar: Placido Domingo, dieser große Sänger des 20 Jahrhunderts, der sich immer wieder neu erfindet – er ist nach wie vor ein Zugpferd, wie bereits an den völlig überlasteten Zufahrtswegen zum Festspielhaus zu erkennen war. Aber der 78Jährige rechtfertigt dies auch: Mit nach wie vor außergewöhnlichen stimmlichen Qualitäten.

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Die Seele und die Ewigkeit

Kraftvolle Darstellung: Edward Elgars "The Dream of Gerontius" an der Musikhochschule Karlsruhe

 

190705 Elgar Gerontius

Wie muss man sich das vorstellen – das ewige Leben? Was geschieht, aus christlicher Sicht, nach dem körperlichen Tod des Menschen? Der englische Kardinal John Henry Newman (1801-1890) – der im kommenden Oktober übrigens heilig gesprochen wird – hat dem Unvorstellbaren in seiner Dichtung „The Dream of Gerontius“ ein Gesicht gegeben. Die Vertonung durch Edward Elgar verstärkt diesen Eindruck mit bildhaften Klängen – und an der Musikhochschule Karlsruhe war dieses selten gespielte Werk vor kurzem zu hören: In einer begeisternden Interpretation.

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"Schön war das Märchen ..."

Ein Abend für Tiny Peters: Die beliebte Sopranistin verabschiedete sich nach 38 Jahren vom Karlsruher Publikum

 

190708 Tiny Peters

1981 stand Tiny Peters erstmals auf der Bühne des Badischen Staatstheaters: als Marzelline in Beethovens "Fidelio". "Wenn mir damals einer gesagt hätte, dass ich nach 38 Jahren immer noch da bin - dem hätte ich, wie man auf gut badisch sagt, "de Vogel g' zeigt".
Mehr als hundert Partien im Stimmfach "lyrische Soubrette" hat Tiny Peters im Laufe ihrer langen Karriere gesungen; in den Bereichen Oper, Operette und Musical hat sie ihr Publikum begeistert.
An ihrem letzten Abend auf der Karlsruher Bühne nahm die Kammersängerin die zahlreichen Gäste im Kleinen Haus nochmals mit auf eine Zeitreise.

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Ein Fenster zur Seele

Claude Débussys Oper "Pelléas und Mélisande" am Staatstheater Karlsruhe

 

190629 Pelleas Melisande

Pelléas und Mélisande - eine Musik mit einem hypnotischen Zauber, und dazu eine geheimnisumwobene Geschichte, die nie wirklich erzählt wird. Eine Oper ohne große Arien, erst recht ohne Massenszenen, ja im Grunde sogar ohne Handlung im eigentlichen Sinne. Das ist verstörend und faszinierend zugleich.
Für diese Oper, bezeichnet als ein "Schlüsselwerk" in der französischen Musikgeschichte, gibt es derzeit den Luxus des mehrfachen Interpretationsvergleichs, denn an drei Theatern des Südwestens ist sie zu sehen: In Freiburg, in Mannheim und jetzt auch in Karlsruhe. Die Regie von Benjamin Lazar ist eine sehr atmosphärische Darstellung eines psychologischen Dramas, das Claude Débussy auf der Textgrundlage von Maurice Maeterlincks gleichnamigem Schauspiel schrieb.

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Glanzvolles Spätwerk

Das Athos Ensemble begeisterte mit Rossinis "Petite Messe solennelle" in St. Cyriakus in Karlsruhe

 

190616 Athos Ensemble

Die "Petite Messe solennelle" von Gioacchino Rossini hat ihren festen Platz im Repertoire größerer Konzertchöre. Sicher - es gibt Werke, die wesentlich populärer und häufiger zu hören sind. Aber dieses beeindruckende Alterswerk des Opernkomponisten (der sich zu diesem Zeitpunkt, 1863, allerdings schon längst zur Ruhe gesetzt hatte) - es begeistert sein Publikum immer wieder aufs Neue. So auch in der Kirche St. Cyriakus in Karlsruhe-Bulach, wo die "Petite Messe" vor kurzem mit dem Athos Ensemble zu hören war.
Das ist nicht verwunderlich: Denn dieses Spätwerk vereint alles - nämlich schönsten Belcanto und eine dichte Satztechnik, hinzu kommen effektvolle (teils dissonante) Harmonien.

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Nachtstimmung und dämonische Urgewalt

Im besten Sinne romantisch: Klavierabend mit Hélène Grimaud im Festspielhaus Baden-Baden

 

190614 Helene Grimaud

"Musik muss so durchsichtig sein, dass man bis auf den Grund sehen kann und dass durch diese Durchsichtigkeit ein Gedicht hindurchschimmert" - mit diesen Worten wird der zeitgenössische ukrainische Komponist Valentin Silvestrov im Programmheft zitiert.
Der Klavierabend von Hélène Grimaud im Festspielhaus Baden-Baden hatte viel von dieser fragilen Durchsichtigkeit - war aber auch nicht ganz unproblematisch. Die französische Pianistin, bekannt für oft ungewöhnliche Rezitals, gestaltete den ersten Teil nahezu vollständig mit dem Programm auf ihrer CD "Memory" - einer Auswahl an französischen Stücken von Claude Débussy, Eric Satie oder Frédéric Chopin, die alle in einer verschatteten, eher ruhigen "Nachtstimmung" gehalten sind.

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Klangvoller Streifzug durch die europäische Kulturgeschichte

Konzertvortrag mit Orgel und Glocken zum Abschluss des Ettlinger Orgelfrühlings

 

190609 Orgel Glocken

Die Glocke - verewigt unter anderem im berühmten Gedicht von Friedrich Schiller - ist eng mit der christlich-abendländischen Kulturgeschichte verbunden. Sie ruft die Gläubigen zum Gebet, sie zeigte einst den Tagesrhythmus an; sie mahnt zum Frieden und wurde doch auch Opfer von Krieg und Zerstörung: Während des Ersten Weltkriegs beispielsweise wurden Glocken beschlagnahmt und eingeschmolzen, als der Rüstungsindustrie die Rohstoffe ausgingen. 
Und schließlich ist die Glocke auch ein Instrument: Jahrhunderte alte Bilder geben Zeugnis davon, dass man sie einst gemeinsam mit der Orgel eingesetzt hat.
Ein äußerst interessanter Konzertvortrag mit dem Glockensachverständigen Kurt Kramer und dem Organisten Markus Bieringer bildete vor kurzem den Abschluss des Ettlinger Orgelfrühlings in der Herz-Jesu-Kirche.

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Die Unvereinbarkeit von Kunst und Liebe

Zum 200. Geburtstag von Jacques Offenbach: "Hoffmanns Erzählungen" am Staatstheater Karlsruhe

 

190608 Hoffmann

Rodrigo Porras Garulo ist fast zu Tränen gerührt, als nach der Premiere ein überwältigender Applaus auf ihn niedergeht. Zuvor hat er als Dichter Hoffmann über gut drei Stunden auf der Bühne mit dem Künstler-Dasein gerungen - eine stimmliche wie darstellerische Höchstleistung.
Eine solche Begeisterung hat man in Karlsruhe lange nicht erlebt: Es gab stehende Ovationen und überdies viel Zuspruch für das Regieteam um Floris Visser, der in Karlsruhe bereits vor zwei Jahren mit "Semele" überzeugte.

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