Eine "heftige Brief-Affäre" als Spiegel der Zeit

Briefwechsel zwischen Pauline Viardot und dem Gewandhausdirigenten Julius Rietz im Theater Baden-Baden vorgestellt

 

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Im Jahr 1858 kam Pauline Viardot-Garcia, gefeierte Opernsängerin des 19. Jahrhunderts, im Rahmen einer Tournee - die sie unter anderem durch England, Schottland und Irland führte – auch nach Leipzig. Am Pult stand damals Julius Rietz. Der Dirigent, Cellist und Komponist war zu diesem Zeitpunkt Leiter des Gewandhausorchesters, und aus der Begegnung mit Pauline Viardot entwickelte sich ein „Briefwechsel mit Sprengstoff“ oder auch eine „heftige Briefaffäre“, wie die Musikwissenschaftlerin und Viardot-Biografin Beatrix Borchard erzählt.
Zum 200. Geburtstag der großen Künstlerin (und Vermittlerin zwischen den Kulturen) hat Beatrix Borchard gemeinsam mit der Sopranistin und Musikwissenschaftlerin Miriam Alexandra Wigbers diesen Briefwechsel, der von 1858 bis 1874 andauerte, in einem kommentierten Band herausgebracht: Ein lebendiges Dokument, das den Alltag im damaligen Konzertleben, aber auch die Rollen der Geschlechter und die „Lagerkämpfe“ im Bereich der musikalischen Stilrichtungen beschreibt.
Am Theater Baden-Baden wurde dieser Briefwechsel (in Kooperation mit dem Kulturbüro der Stadt Baden-Baden) nun in einer hoch interessanten Konzertlesung vorgestellt. Ermöglicht wurde dies wiederum durch die Draheim-Stiftung „pro musica et musicis“. 

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Aufbruch in eine "neue Zeit"

Staatstheater Karlsruhe: Saisonstart unter neuer Führung/ erste Spielzeit im Zeichen der Baumaßnahmen

 

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Ulrich Peters zitierte den „Rosenkavalier“: Ihm sei „die Ehre widerfahren“, das Haus in den nächsten drei Jahren künstlerisch leiten zu dürfen – und es ist eine Zeit, die hauptsächlich von Übergängen und Provisorien, von „Baustellen“ in vieler Hinsicht geprägt sein wird. Nach den Turbulenzen des vergangenen Jahres um den Führungsstil am Badischen Staatstheater steht die Arbeit nun im Zeichen des Reformprozesses; gleichzeitig sorgen von jetzt an die Baumaßnahmen für Herausforderungen im täglichen Spielbetrieb.
Sinnbildlich dafür steht das neue, ebenfalls provisorische Entrée auf dem Theatervorplatz, das im Übrigen eine Gastronomie beherbergt, die künftig auch außerhalb der Theaterzeiten geöffnet hat. Karlsruhes Oberbürgermeister Frank Mentrup wünscht sich diesen Ort als „Wohnzimmer der Stadt“.
Die einzelnen Sparten präsentierten sich am Theatertag mit zahlreichen Proben und Aufführungen (die Eröffnungsshow ist noch auf Youtube zu sehen); das Musiktheater startete am Sonntag mit einem Konzert des Opernchores in die neue Saison (Bericht folgt).

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Lokal verankert, mit internationaler Ausstrahlung

Brahms-Gesellschaft und Festspielhaus Baden-Baden sind Partner bei den Brahms-Tagen/ Brahms-Haus soll ein Ort des Erlebens werden

 

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In Lichtenthal verbrachte einst Johannes Brahms die Sommermonate in den Jahren zwischen 1865 und 1874; hier entstand unter anderem sein Horntrio Es-Dur: Bei seinen frühen Spaziergängen in der hügeligen Landschaft hatte er die Einfälle dazu. Zu jener Zeit lebte auch Clara Schumann in der Kurstadt, ebenso besaß die Sängerin und Komponistin Pauline Viardot hier ein Anwesen – und so pflegten die Musiker inspirierende Künstler-Freundschaften, auch mit Dichtern und Malern.
Sichtbares Zeichen für diese Musiktradition ist heutzutage neben der Baden-Badener Philharmonie vor allem auch das Festspielhaus: Der Musentempel ist ebenso im Programm der von der Brahms-Gesellschaft verantworteten „Brahms-Tage“ vertreten.
Zum Eröffnungskonzert am 24. September sind Werke von Brahms, Mendelssohn und Schumann zu erleben, tags darauf gastiert Igor Levit mit Valery Gergiev und den Münchner Philharmonikern an der Oos. Das besagte Horntrio von Brahms ist bei einer Matinee am 26. September zu hören, und das Schlusskonzert bestreiten am selben Abend der Pianist Lars Vogt, die Geigerin Veronika Eberle und der Cellist Alban Gerhardt mit den Würth Philharmonikern. 

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Musik sorgt bei Beier für den guten Ton

Eine Konzertreihe im Autohaus oder: Wie Kultur und Wirtschaft sich gegenseitig unterstützen

 

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In der Regel unterstützt die Wirtschaft die Kultur – das heißt dann „Sponsoring“. Wenn im Gegenzug das Firmenlogo auf dem Programmheft erscheint, verspricht sich das jeweilige Unternehmen davon einen positiven Effekt, aber die allgemeine Wahrnehmung lautet eben doch: Die Kultur braucht die Wirtschaft – und nicht umgekehrt.
Mit dem Programm „Denkmal – schaumal – fühlmal“ fragten sich der Karlsruher Flötist Johannes Hustedt und die Bildhauerin Chai Min Werner indessen, ob Unterstützung nicht doch auch umgekehrt funktioniert. Gemeinsam mit dem Autohaus Beier haben sie eine sommerliche Konzertreihe Leben gerufen, die durch das Landesprogramm „Kunst trotz Abstand“ gefördert wird. Konkret erleben die Besucher hier Musik und Skulpturen an einem Ort, den man nicht unbedingt mit Kultur verbinden würde (es sei denn, man ordnet das Design eines neuen Fahrzeugs als „Kunst“ ein).
Doch das Autohaus Beier, so verriet jetzt Geschäftsführer Peter Beier, zeigte sich schon seit jeher als kunstaffin: Entsprechende Veranstaltungen sind Teil der Unternehmensphilosophie. (Hinweis: Das nächste Konzert gibt es am Mittwoch, den 8.9., um 17.30 Uhr im Autohaus Beier in Karlsruhe und am Donnerstag, 9.9. um 17.30 Uhr in der Filiale in Ettlingen. Auf dem Programm steht Musik für Flöte, Fagott und Alphorn unter dem Motto: „Klänge aus dem Jetzt“). 

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Hommage an eine große Europäerin

Matinee zum 200. Geburtstag der Sängerin und Komponistin Pauline Viardot-Garcia im Theater Baden-Baden

 

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Es war ein würdiger Rahmen: Das Publikum versammelte sich, ganz dem Geist der Zeit nachspürend, im neobarocken Theater Baden-Baden, das 1862 im Stile der Pariser Oper errichtet wurde. Auch Pauline Viardot lud einst in Baden-Baden zu Konzerten; unter anderem gehörten ein Gartentheater und ein Vortragssaal zu ihrem Anwesen unweit des heutigen Südwestrundfunks.
Hier lebte sie zwischen 1863 und 1870, und ihr Haus war ein Magnet für sämtliche Persönlichkeiten der damaligen Zeit. Nicht zuletzt dies begründete Baden-Badens Renommee als „Sommerhauptstadt Europas“.
Umso glücklicher waren deshalb Kekke Schmidt, die Interimsintendantin des Theaters Baden-Baden, und Oberbürgermeisterin Margret Mergen über einen gut besuchten Saal am Geburtstag der Viardot am 18. Juli: Man habe angesichts der Pandemie „bis zuletzt gezittert“. Die Festrede hielt die Hamburger Musikwissenschaftlerin und Viardot-Biografin Beatrix Borchard.

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"Man kann das Publikum fühlen, als ob es ein Wesen mit eigener Dynamik wäre"

Vor kurzem stellte sich der Bariton Armin Kolarczyk im digitalen Künstlergespräch vor/ Ab morgen ist er in Karlsruhe als "Gianni Schicchi" zu erleben

Am morgigen Mittwoch, den 12. Mai (19 Uhr), meldet sich auch die Karlsruher Oper mit einer Online-Premiere zurück: Zu sehen ist – im Dante-Jahr – Puccinis Oper „Gianni Schicchi“. Der spritzige Einakter rund um Testamentfälschung und Erbschleicherei ist Teil des „Triptychon“ und nimmt Bezug auf Dantes „Göttliche Komödie“; in der Hauptrolle ist der Bariton Armin Kolarczyk zu sehen - auch wenn er und seine Kollegen auf besagtes „Publikumsgefühl“ bisweilen noch verzichten müssen.
Vor kurzem jedoch durfte das Karlsruher Opernpublikum den sympathischen Sänger zumindest auf digitalem Weg etwas näher kennen lernen: im Rahmen eines Künstlergesprächs mit dem Dramaturgen Stephan Steinmetz in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule.

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Ohne Ziele wird es schwierig

Künstler in der Coronakrise (II): Sänger berichten über Motivation, staatliche Hilfen und Online-Unterricht

 

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Ab dem 22. März, so der Beschluss des Corona-Gipfels, könnten Theater und Konzerthäuser bei entsprechender Inzidenz wieder öffnen. Eine wirkliche „Öffnungs-Perspektive“ ist das jedoch nicht – denn sollten die Zahlen wieder steigen, was sich angesichts der britischen Corona-Mutante auch abzeichnet, tritt ein erneuter Lockdown in Kraft.
Planbar scheinen Kulturveranstaltungen demnach nur in Verbindung mit einem funktionierenden Schnelltestverfahren. Andererseits ist laut einer neuen Aerosol-Studie aus dem Konzerthaus Dortmund die Ansteckungsgefahr in großen Räumen gering – zumal das Publikum zuletzt mit Maske und im Schachbrettmuster auf den Plätzen saß. Doch die Theater und Konzerthäuser gehörten im milden November-Lockdown zu den ersten, die schließen mussten, was sowohl von Künstlern als auch von Musikliebhabern vielfach als „Symbolpolitik“ empfunden wurde.
Besonders hart getroffen sind beispielsweise frei berufliche Sänger. Sie verdienen ihr Geld unter anderem mit großen Chorkonzerten etwa zur Passion; die Saison entfällt nun bereits zum zweiten Mal. Grund genug also, bei ihnen nachzufragen, wie sie das vergangene Jahr gemeistert haben. Dabei erfährt man: Bei den staatlichen Hilfen fallen Künstler trotz hoher Verluste schlicht durchs Raster...

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Zum Tod von Wolfgang Boettcher

Der Cellist unterrichtete auch an der Carl-Flesch-Akademie in Baden-Baden.

Vergangene Woche starb in Berlin der Cellist Wolfgang Boettcher – unerwartet, wie es in verschiedenen Medien heißt, nachdem er auf der Straße zusammengebrochen war. Boettcher, 1935 in Berlin geboren, gehörte seit 1958 den Philharmonikern an, unter anderem als Solo-Cellist. Ab 1976 wandte er sich dann eigenen Projekten zu: So war er Gründungsmitglied der „12 Cellisten“ und des Brandis-Quartetts. Mit seinen Schwestern, der Mannheimer Pianistin Ursula Trede-Boettcher und der Geigerin Marianne Boettcher, spielte er Kammermusik, noch bis vor kurzem.
Vor allem aber war er ein geschätzter Dozent – auch an der sommerlichen „Carl Flesch Akademie“ in Baden-Baden. Etwas von der Leidenschaft und Wachheit, die Boettcher als Musiker und offenbar auch als Pädagoge an den Tag legte, zeigt der folgende Beitrag aus dem PAMINA-Archiv, der die Eindrücke der Akademie aus dem Sommer 2008 einfängt (mit Audio-Beitrag) .

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In schwierigen Zeiten am Segen festhalten

Bach-Tagung der Evangelischen Akademie Baden bot tiefe Einblicke in die Kantate "Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn"

 

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Regelmäßig widmet sich die Evangelische Akademie Baden in einem speziellen Tagungswochenende in Bad Herrenalb dem Werk Johann Sebastian Bachs: Im Mittelpunkt steht dann jeweils eine der fast 200 Kantaten des barocken Meisters. Abgeschlossen wird das Wochenende mit einem Kantaten-Gottesdienst in der Evangelischen Stadtkirche Karlsruhe; die Tagungs-Teilnehmer bilden den Chor.
Das war in diesem Jahr nicht möglich, und dennoch: Das Seminar fand statt, die Vorträge konnte man online verfolgen, und Wahl der Kantate - „Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn“ - ermöglichte eine würdige und zugleich „coronagerechte“ Aufführung. Ergänzt wurde das Wochenende durch eine Orgelandacht: Das Jahr 2021 steht ganz im Zeichen dieses Instruments.

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"Kultur muss als Teil der Bildung gesehen werden"

Künstler in der Corona-Krise (I): Der Flötist Johannes Hustedt

 

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Im vergangenen Sommer erlebte die Karlsruher Kulturszene ein kurzzeitiges Aufblühen – man versuchte, wenigstens teilweise Ersatz zu schaffen für die Konzerte, die durch den Lockdown im Frühjahr entfallen waren. Viele kleine, teils originelle Formate entstanden; das Land Baden-Württemberg unterstützte einige Projekte mit der Initiative „Kultursommer 2020“ und insgesamt 2,5 Millionen Euro aus dem Innovationsfonds.
Ausgewählt wurden auch die Durlacher „Picknick-Konzerte“, die der Flötist Johannes Hustedt gemeinsam mit seiner Frau Chai Min Werner ins Leben gerufen hatte. Nun blickt er auf die Konzertreihe und deren Wirkung zurück, ebenso äußert er sich zum Corona-Lockdown, zum neuen Infektionsschutzgesetz und zur Notwendigkeit für Musiker, sich auch mit wirtschaftlichen Themen zu befassen.

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