Ist die Oper noch zu retten?

Osterfestspiele Baden-Baden: Der Philosoph Peter Sloterdijk eröffnete das neue Format des "Baden-Badener Salon"

 

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„Rettet die Oper!“ Wer denkt bei dieser Aufforderung nicht zuerst an den ebenso legendären wie revolutionären Ausspruch des Komponisten Pierre Boulez aus dem Jahre 1967: „Sprengt die Opernhäuser in die Luft!“ Angetreten mit dem Versuch, darauf eine adäquate Antwort zu geben und die Oper dennoch zu „retten“ (denn zumindest die zeitgenössische Musik befindet sich zweifellos in einer Krise) war gestern Peter Sloterdijk bei den Opernfestspielen in Baden-Baden.
Der wohl bedeutendste deutsche Philosoph der Gegenwart eröffnete damit zugleich auch den „Baden-Badener Salon“ - ein neues Format im Rahmen der Festspiel-Lounge, die das Publikum (und überhaupt die interessierten Baden-Badener Bürger, gerne auch Touristen) jenseits des Konzertsaals im Kurhaus zusammen bringen und so einen Ort der Begegnung schaffen soll. Damit erinnert das Format zugleich auch an jene Zeit der großen Salons, die einst Baden-Badens Ruf als „Sommerhauptstadt Europas“ prägten.

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Paul Klee und die Musik

"Musik-Plauderei" in der Karlsruher Hemingway Lounge: Was haben Bach und Mozart mit Malerei zu tun?

 

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Bach und Mozart, so äußerte sich Paul Klee einmal, seien „moderner“ als das 19. Jahrhundert.
Bei vielen bildenden Künstlern erlebt man eine Affinität zur Musik – und umgekehrt. Der Maler Lyonel Feininger, der ebenso wie Paul Klee am Bauhaus lehrte, schrieb Fugen, und der Komponist Arnold Schönberg ist als Maler immerhin derart anerkannt, dass ihm das Museum für jüdische Geschichte und Kunst in Paris vor einigen Jahren eine Ausstellung widmete.
Generell setzte man sich im Umfeld des Bauhauses mit „Farbklängen“ und „Klangfarben“ auseinander – so schuf beispielsweise Wassily Kandinsky ein Bühnen-Gesamtkunstwerk mit dem Titel „Der gelbe Klang“. Über Paul Klees musikalische Neigung – und wie sich diese in der Malerei äußert – sprach nun der Musikredakteur Hans Hachmann mit dem Mannheimer Kunsthistoriker Hans-Jürgen Buderer im Rahmen der Reihe „Musik-Plaudereien“ in der Karlsruher Hemingway Lounge.

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Die Musik als Meisterin des feinen Humors

Kultur im Kaffeehaus Schmidt: Joachim Draheim und Hartmut Becker mit einem Vortrag zu Faschingsschwänken und musikalischen Humoristika

 

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Faschings-Veranstaltungen, sofern sie nicht wegen Corona ohnehin bereits abgesagt wurden, gab es in diesen Tagen kaum. Kann man sich also unter dem Eindruck der derzeitigen Weltlage einen augenzwinkernden Vortrag vorstellen – wie etwa zum Thema „Faschingsschwänke und musikalische Humoristika“ ?
Die beiden Musikwissenschaftler Joachim Draheim und Hartmut Becker kamen zu dem Entschluss: Man kann. Vielleicht muss man es sogar, denn schließlich ist der Fasching nicht nur eine vergnügliche Maskerade, sondern er hat auch eine politische Funktion. Man denkt hier beispielsweise an den rheinischen Karneval, der mit seinen Garden das Militär persifliert.
Beim jüngsten Vortrag im Kaffeehaus Schmidt wurde deutlich: Wirklicher Humor (und nicht etwa die Modeerscheinung „Comedy“) hat in erster Linie eine geistige Dimension.

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Bachs Musik ist komponierte Theologie

Zum kürzlichen Kantaten-Wochenende der Evangelischen Akademie Baden/ Abschluss mit „Jauchzet Gott in allen Landen“ in der Stadtkirche Karlsruhe

 

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Auch im Seufzen ist Lobpreis. Daran denkt man zwar nicht zuerst, wenn von dieser bekannten (und überaus populären) Bach-Kantate die Rede ist. Doch jenseits der großen Jubel-Arien birgt „Jauchzet Gott in allen Landen“ auch leisere Töne, das Werk verschweigt nicht die Zeiten der Bedrängnis und erinnert daran, dass auch das „schlechte Lob“ aus einem „schwachen Mund“ wohlgefällig sein kann.
Eine tiefsinnige Betrachtung – in theologischer und musikalischer Hinsicht – gaben vor kurzem die Referenten der Evangelischen Akademie Baden: Schon seit mehr als zwanzig Jahren widmet sich das Institut jährlich einer Kantate von Johann Sebastian Bach; in diesem Jahr zum zweiten Mal mittels einer Online-Veranstaltung.
Der pandemiebedingte Verzicht auf den Chor nahm wie schon im vergangenen Jahr eine Solokantate in den Blick. Vertieft wurde die Betrachtung durch einen musikalischen Gottesdienst in der Evangelischen Stadtkirche Karlsruhe, der nach wie vor auf dem Youtube-Kanal der Kirche zu sehen ist.

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Mehr als nur "Karneval der Tiere"

Camille Saint-Saens: Musikalische Schlüsselrolle und tragische Figur

Im Dezember jährte sich zum hundertsten Mal der Todestag von Camille Saint-Saens. Mit Fug und Recht kann man ihn als einen der bedeutendsten französischen Komponisten bezeichnen, obwohl ihm in seiner Heimat erst spät Erfolg und Anerkennung zuteil wurde. Von modischen Strömungen völlig unbeeindruckt, verfolgte er stets seine eigene musikalische Sprache und geriet gerade deshalb zwischen die Fronten. „Kunst beginnt jenseits der Mode“ - so lautete seine Überzeugung. In der Wahrnehmung seiner Kritiker schwankte er allerdings zwischen „Revolutionär“ und „Reaktionär“.
In Frankreich überzog man ihn mit beißender Kritik, und selbst seine bekannteste Oper, „Samson und Dalila“, wurde nicht in seiner Heimat uraufgeführt, sondern in Weimar – unter Franz Liszt.
Vor kurzem widmeten die Karlsruher Musikwissenschaftler Joachim Draheim und Hartmut Becker diesem überaus originellen Tonschöpfer einen Vortrag in der Reihe „Kultur im Kaffeehaus Schmidt“. Lesenswert ist dazu auch die erweiterte Ausgabe der Biografie von Michael Stegemann, die im Sommer diesen Jahres als e-book beim Rowohlt-Verlag erschienen ist.

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Eine "heftige Brief-Affäre" als Spiegel der Zeit

Briefwechsel zwischen Pauline Viardot und dem Gewandhausdirigenten Julius Rietz im Theater Baden-Baden vorgestellt

 

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Im Jahr 1858 kam Pauline Viardot-Garcia, gefeierte Opernsängerin des 19. Jahrhunderts, im Rahmen einer Tournee - die sie unter anderem durch England, Schottland und Irland führte – auch nach Leipzig. Am Pult stand damals Julius Rietz. Der Dirigent, Cellist und Komponist war zu diesem Zeitpunkt Leiter des Gewandhausorchesters, und aus der Begegnung mit Pauline Viardot entwickelte sich ein „Briefwechsel mit Sprengstoff“ oder auch eine „heftige Briefaffäre“, wie die Musikwissenschaftlerin und Viardot-Biografin Beatrix Borchard erzählt.
Zum 200. Geburtstag der großen Künstlerin (und Vermittlerin zwischen den Kulturen) hat Beatrix Borchard gemeinsam mit der Sopranistin und Musikwissenschaftlerin Miriam Alexandra Wigbers diesen Briefwechsel, der von 1858 bis 1874 andauerte, in einem kommentierten Band herausgebracht: Ein lebendiges Dokument, das den Alltag im damaligen Konzertleben, aber auch die Rollen der Geschlechter und die „Lagerkämpfe“ im Bereich der musikalischen Stilrichtungen beschreibt.
Am Theater Baden-Baden wurde dieser Briefwechsel (in Kooperation mit dem Kulturbüro der Stadt Baden-Baden) nun in einer hoch interessanten Konzertlesung vorgestellt. Ermöglicht wurde dies wiederum durch die Draheim-Stiftung „pro musica et musicis“. 

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Aufbruch in eine "neue Zeit"

Staatstheater Karlsruhe: Saisonstart unter neuer Führung/ erste Spielzeit im Zeichen der Baumaßnahmen

 

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Ulrich Peters zitierte den „Rosenkavalier“: Ihm sei „die Ehre widerfahren“, das Haus in den nächsten drei Jahren künstlerisch leiten zu dürfen – und es ist eine Zeit, die hauptsächlich von Übergängen und Provisorien, von „Baustellen“ in vieler Hinsicht geprägt sein wird. Nach den Turbulenzen des vergangenen Jahres um den Führungsstil am Badischen Staatstheater steht die Arbeit nun im Zeichen des Reformprozesses; gleichzeitig sorgen von jetzt an die Baumaßnahmen für Herausforderungen im täglichen Spielbetrieb.
Sinnbildlich dafür steht das neue, ebenfalls provisorische Entrée auf dem Theatervorplatz, das im Übrigen eine Gastronomie beherbergt, die künftig auch außerhalb der Theaterzeiten geöffnet hat. Karlsruhes Oberbürgermeister Frank Mentrup wünscht sich diesen Ort als „Wohnzimmer der Stadt“.
Die einzelnen Sparten präsentierten sich am Theatertag mit zahlreichen Proben und Aufführungen (die Eröffnungsshow ist noch auf Youtube zu sehen); das Musiktheater startete am Sonntag mit einem Konzert des Opernchores in die neue Saison (Bericht folgt).

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Lokal verankert, mit internationaler Ausstrahlung

Brahms-Gesellschaft und Festspielhaus Baden-Baden sind Partner bei den Brahms-Tagen/ Brahms-Haus soll ein Ort des Erlebens werden

 

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In Lichtenthal verbrachte einst Johannes Brahms die Sommermonate in den Jahren zwischen 1865 und 1874; hier entstand unter anderem sein Horntrio Es-Dur: Bei seinen frühen Spaziergängen in der hügeligen Landschaft hatte er die Einfälle dazu. Zu jener Zeit lebte auch Clara Schumann in der Kurstadt, ebenso besaß die Sängerin und Komponistin Pauline Viardot hier ein Anwesen – und so pflegten die Musiker inspirierende Künstler-Freundschaften, auch mit Dichtern und Malern.
Sichtbares Zeichen für diese Musiktradition ist heutzutage neben der Baden-Badener Philharmonie vor allem auch das Festspielhaus: Der Musentempel ist ebenso im Programm der von der Brahms-Gesellschaft verantworteten „Brahms-Tage“ vertreten.
Zum Eröffnungskonzert am 24. September sind Werke von Brahms, Mendelssohn und Schumann zu erleben, tags darauf gastiert Igor Levit mit Valery Gergiev und den Münchner Philharmonikern an der Oos. Das besagte Horntrio von Brahms ist bei einer Matinee am 26. September zu hören, und das Schlusskonzert bestreiten am selben Abend der Pianist Lars Vogt, die Geigerin Veronika Eberle und der Cellist Alban Gerhardt mit den Würth Philharmonikern. 

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Musik sorgt bei Beier für den guten Ton

Eine Konzertreihe im Autohaus oder: Wie Kultur und Wirtschaft sich gegenseitig unterstützen

 

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In der Regel unterstützt die Wirtschaft die Kultur – das heißt dann „Sponsoring“. Wenn im Gegenzug das Firmenlogo auf dem Programmheft erscheint, verspricht sich das jeweilige Unternehmen davon einen positiven Effekt, aber die allgemeine Wahrnehmung lautet eben doch: Die Kultur braucht die Wirtschaft – und nicht umgekehrt.
Mit dem Programm „Denkmal – schaumal – fühlmal“ fragten sich der Karlsruher Flötist Johannes Hustedt und die Bildhauerin Chai Min Werner indessen, ob Unterstützung nicht doch auch umgekehrt funktioniert. Gemeinsam mit dem Autohaus Beier haben sie eine sommerliche Konzertreihe Leben gerufen, die durch das Landesprogramm „Kunst trotz Abstand“ gefördert wird. Konkret erleben die Besucher hier Musik und Skulpturen an einem Ort, den man nicht unbedingt mit Kultur verbinden würde (es sei denn, man ordnet das Design eines neuen Fahrzeugs als „Kunst“ ein).
Doch das Autohaus Beier, so verriet jetzt Geschäftsführer Peter Beier, zeigte sich schon seit jeher als kunstaffin: Entsprechende Veranstaltungen sind Teil der Unternehmensphilosophie. (Hinweis: Das nächste Konzert gibt es am Mittwoch, den 8.9., um 17.30 Uhr im Autohaus Beier in Karlsruhe und am Donnerstag, 9.9. um 17.30 Uhr in der Filiale in Ettlingen. Auf dem Programm steht Musik für Flöte, Fagott und Alphorn unter dem Motto: „Klänge aus dem Jetzt“). 

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Hommage an eine große Europäerin

Matinee zum 200. Geburtstag der Sängerin und Komponistin Pauline Viardot-Garcia im Theater Baden-Baden

 

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Es war ein würdiger Rahmen: Das Publikum versammelte sich, ganz dem Geist der Zeit nachspürend, im neobarocken Theater Baden-Baden, das 1862 im Stile der Pariser Oper errichtet wurde. Auch Pauline Viardot lud einst in Baden-Baden zu Konzerten; unter anderem gehörten ein Gartentheater und ein Vortragssaal zu ihrem Anwesen unweit des heutigen Südwestrundfunks.
Hier lebte sie zwischen 1863 und 1870, und ihr Haus war ein Magnet für sämtliche Persönlichkeiten der damaligen Zeit. Nicht zuletzt dies begründete Baden-Badens Renommee als „Sommerhauptstadt Europas“.
Umso glücklicher waren deshalb Kekke Schmidt, die Interimsintendantin des Theaters Baden-Baden, und Oberbürgermeisterin Margret Mergen über einen gut besuchten Saal am Geburtstag der Viardot am 18. Juli: Man habe angesichts der Pandemie „bis zuletzt gezittert“. Die Festrede hielt die Hamburger Musikwissenschaftlerin und Viardot-Biografin Beatrix Borchard.

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