Hinein genommen in das menschliche Drama

Großartige Aufführung von Mahlers Rückert-Liedern: Elisabeth Kulman, Michael Sanderling und die Deutsche Radio Philharmonie im Konzerthaus Karlsruhe

Es gehört zum Konzept der „Karlsruher Meisterkonzerte“, jede Aufführung unter ein gewisses Motto zu stellen. Das wirkt bisweilen etwas bemüht, aber der Titel des jüngsten Konzerts - „Tief berührt“ - hätte kaum passender sein können: Die wunderbare Mezzosopranistin Elisabeth Kulman, dazu die Deutsche Radio Philharmonie unter Michael Sanderling schufen eine derart zerbrechliche, poetische Atmosphäre im Konzerthaus, dass man schon Sorge hatte, man könnte dies allein durch Berühren des Programmheftes zerstören. Diese Stille – gerade auch im Publikum - erlebt man selten, und das lag nicht nur an den Masken.

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Zeitgenössische Musik trotzt Corona

Eröffnung des Festivals "ZeitGenuss" in der Christuskirche: Kammermusik und Orgelwerke von Wolfgang Rihm

 

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Recht groß war das Interesse beim Eröffnungskonzert des Festivals „ZeitGenuss“ in der Christuskirche; so groß jedenfalls, dass die Corona-Sonderverordnung galt, welche Kultur-Veranstaltungen über 100 Teilnehmer regelt. Dementsprechend herrschte Maskenpflicht während des gesamten Konzerts – ein Umstand, an den man sich erst gewöhnen muss.
„Dem C-Wort zum Trotz“ könne das Festival jedoch glücklicherweise statt finden, bemerkte Kulturamtsleiterin Susanne Asche fast kämpferisch. Auch Hartmut Höll, Rektor der Karlsruher Musikhochschule (die mit der Stadt Karlsruhe maßgeblich für das Festival verantwortlich ist), zeigte sich erfreut darüber, dass „wir endlich wieder lebendige Musik erleben dürfen“. Im Mittelpunkt dieser seit 2013 bestehenden zeitgenössischen Musiktage steht diesmal der Karlsruher Komponist Wolfgang Rihm, der das Festival selbst kuratierte. (Hinweis: Das Abschlusskonzert am Sonntag, den 25.10., 18 Uhr ist auch per Live-Stream auf www.idagio.com) zu sehen.

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Beethoven als Liedkomponist

Schubertiade Ettlingen: Das Duo Hans Christoph Begemann und Thomas Seyboldt begeistern beim Liederabend im Asamsaal

 

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Wer in diesen Tagen Konzertbesuchern und Musikern begegnet, der bemerkt vor allem eines: Freude und Dankbarkeit darüber, dass wieder gespielt wird, und so kann man nur hoffen, dass dies trotz steigender Infektionszahlen auch erst einmal so bleibt.
Eine solche Freude bereitete auch die Ettlinger Schubertiade ihren Gästen: Das bewährte Duo mit dem Bariton Hans Christoph Begemann und dem Pianisten Thomas Seyboldt zeigte, dass auch in einem relativ kurzen Rahmen (dafür aber zweimal) ein stimmungsvoller Liederabend gelingen kann. Das Hauptwerk dieses Abends: Beethovens Zyklus „An die ferne Geliebte“. Das Konzert war zugleich auch eine Präsentation der neuen CD des Liedduos zum Beethoven-Jahr.

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Der "Pontevedrexit" kann verhindert werden

Operetten-Vergnügen in Corona-Zeiten: Lehárs "Lustige Witwe" am Staatstheater Karlsruhe 

 

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Es ist vermutlich das Beste, was unter den derzeitigen Umständen machbar ist: Die Salonfassung von Lehárs „Lustiger Witwe“, jetzt am Staatstheater Karlsruhe zu sehen, ähnelt einer Operettenrevue mit dem alten Botschaftsmitarbeiter Njegus als Conferencier. Er hält die Fäden zusammen und erzählt die Geschichte als Rückblende: In einem solchen Format ist es denn auch möglich zu vermitteln, was momentan nicht gezeigt werden kann.
Regisseur Axel Köhler schuf eine 90minütige „coronataugliche“ Fassung, in der die Ohrwurmklassiker erhalten blieben, und die Staatskapelle mit GMD Georg Fritzsch am Pult verhilft Lehárs Musik auch als Salon-Orchester zu einem ganz eigenen Charme.

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Bewegendes Freiheits-Zeugnis

Zum kürzlichen Konzert des Karlsruher Barockorchesters mit Beethovens Schauspielmusik zu "Egmont"

 

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„Beethoven besaß Rückgrat, er ließ sich in keinster Weise korrumpieren – das sollte uns Vorbild sein!“, gab der Musikwissenschaftler Hartmut Becker den Hörern bei der Einführung im Konzerthaus Karlsruhe auf dem Weg; ebenso die Mahnung: „Wenn man die politische Dimension bei Beethoven nicht erkennt, dann gleitet die Musik an einem ab.“ Dafür, dass die Musik mitnichten „abglitt“, sondern im Gegenteil sehr berührte, bisweilen auch aufrüttelte – dafür sorgte das Karlsruher Barockorchester unter Christoph Siebert mit der Sinfonie Nr. 3 („Eroica“), vor allem aber mit einem Stück von großem Seltenheitswert: der vollständigen Schauspielmusik zu Goethes „Egmont“ .

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Elegant durch Jazz und Romantik

Der Klarinettist Sebastian Manz und der Pianist Martin Klett beim Schlosskonzert in Ettlingen

 

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„Im Slalom durch das Klarinettenrepertoire“ hieß es im Programmheft des jüngsten Ettlinger Schlosskonzerts – und das traf den Charakter dieses mit raschen und leichten Schwüngen hingesetzten Konzerts sehr genau.
Eigentlich war der Auftritt des Klarinettisten Sebastian Manz mit dem Pianisten Martin Klett bereits in der vergangenen Saison vorgesehen, doch er fiel dem Corona-Lockdown zum Opfer. In den Genuss des Nachholtermins kamen freilich nur etwa hundert Besucher in zwei Kurz-Konzerten, größtenteils waren es Abonnenten.
Doch am 17. November ist das Programm ab 13 Uhr noch einmal im SWR2 Mittagskonzert zu hören und danach online abrufbar. .

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Frühwerke, von Mozart inspiriert

Martin Stadtfeld und die Rheinische Philharmonie spielten Beethoven und Schubert im Konzerthaus Karlsruhe.

Ohne die sprichwörtlichen Pauken und Trompeten müssen die Orchester derzeit oft auskommen: Man spielt in kammermusikalischer Besetzung, dazu beispielsweise mit einem Bläsersatz, der lediglich aus Flöte, je zwei Oboen, Fagotte und Hörner besteht. Das wiederum ruft Werke auf den Plan, die sonst eher etwas seltener zu hören sind, wie etwa Beethovens frühes Klavierkonzert B-Dur (tatsächlich ist es sein erstes großes, veröffentlicht wurde es jedoch als Nr. 2). Mit diesem Klavierkonzert eröffneten jetzt Martin Stadtfeld und das Staatsorchester Rheinische Philharmonie aus Koblenz unter der Leitung von Garry Walker die Saison der„Karlsruher Meisterkonzerte“ im Konzerthaus Karlsruhe.

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Ausdrucksstark, menschlich und direkt

Die Musik des Hofkapellmeisters Georg Christoph Strattner begeisterte in der Stadtkirche Durlach

 

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Man kann glücklich und dankbar darüber sein, dass wenigstens im Bereich der Kirchenmusik – zumindest ansatzweise – wieder so etwas wie Normalität einkehrt, auch wenn große Oratorien zur Zeit nicht möglich sind. Die Kirchen, so bemerkte Bürgermeister Albert Käuflein beim Konzert des Ensembles „Les Escapades“, „leisten einen unverzichtbaren Beitrag zum Leben in der Stadt, auch auf dem Feld der Kultur“.
Wie sehr die Kirchenmusik zum Jahres- und auch zum Lebenskreislauf der Menschen gehört, spürte man sehr deutlich bei den großartigen Werken des Durlacher Hofkomponisten Georg Christoph Strattner. Dessen Musik wurde zum großen Teil seit der Zeit ihrer Entstehung nicht mehr aufgeführt. Im Rahmen eines CD-Projekts haben die Gambistinnen von „Les Escapades“ dies nun gemeinsam mit fabelhaften Gästen realisiert.

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Weder Fisch noch Fleisch

"Spotlight Don Giovanni" am Staatstheater Karlsruhe bringt keine Klarheit

 

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Die Zeit der Einschränkungen und Entbehrungen bringt überall neue Bühnen-Formate hervor: Wenn eine größere Oper schon nicht möglich ist, so dachte man offensichtlich am Staatstheater, warum dann nicht einmal ein „Schlaglicht“ auf jene Figur werfen, die seit mehr als zwei Jahrhunderten, mit all ihren zeitgeschichtlichen Deutungen, die Theaterbühnen beherrscht - nämlich auf „Don Giovanni“? Ist er mehr Dämon oder mehr Verführer? Und welche Rollen spielen eigentlich die Frauenfiguren in Mozarts Oper?
In einem „Spotlight“, entwickelt von der Regisseurin und Oberspielleiterin Anja Kühnhold und der Dramaturgin Deborah Maier, wollte man der Frage nachgehen, in welchem „Licht“ er denn nun erscheint, dieser Don Giovanni. Eigentlich eine gute Idee, wobei die Umsetzung leider misslang.

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Heiße und schweigende Lippen

Musik-Plauderei in der Hemingway Lounge über den "Operettenkönig" Franz Lehár

 

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„Puccini ist der Verdi des kleinen Mannes, und Lehár ist dem kleinen Mann sein Puccini.“ Das sagte Kurt Tucholsky über den großen Operettenkomponisten, als er ihn 1931 einmal am Klavier erlebte – und irgendwie scheint es, als habe sich die Haltung gegenüber dem Fach „Operette“ nur wenig geändert. Sicher, es gibt Sänger wie Jonas Kaufmann oder Piotr Beczala, die sich diesem Repertoire widmen, und zu Silvester steht an den Theatern hin und wieder Johann Strauß‘ „Fledermaus“ oder eben Lehárs „Lustige Witwe“ auf dem Programm. Doch wirklichen Eingang in die Spielpläne findet dieses Genre nach wie vor kaum; das Feuilleton, die so genannte „ernst zu nehmende“ Kultur, rümpfte darüber lange Zeit die Nase (wozu selbstverständlich auch zweifelhafte Interpretationen beitrugen).
So verwundert es kaum, dass Franz Lehár im Beethoven-Jahr ein wenig unter den Tisch fällt, obwohl der am 30. April in 1870 im ungarischen Komorn Geborene ebenfalls zu den Jubilaren zählt.
In der Karlsruher Hemingway-Lounge erinnerten der ehemalige SWR-Redakteur Hans Hachmann und der Musikwissenschaftler Thomas Seedorf an einen der erfolgreichsten Komponisten des 20. Jahrhunderts.

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