Revolution und derber Humor

Yannick Nézet-Séguin eröffnete den Beethoven-Zyklus in Baden-Baden

 

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Der Applaus war länger als sonst. Nicht nur beim Auftritt des Dirigenten Yannick Nézet-Séguin - schon die Musiker des Chamber Orchester of Europe (COE) wurden vom Festspielhaus-Publikum minutenlang gefeiert, als sie die Bühne betraten.
500 Gäste waren im Rahmen des Modellprojekts im Saal zugelassen, am nächsten Wochenende werden es 800 sein, „und hoffentlich bald auch 1000“, so Intendant Benedikt Stampa - und er fasste die Eröffnung des Beethoven-Zyklus mit einem einzigen Wort zusammen: „Endlich!“ Denn das bedeute zugleich auch, dass ein Ende in Sicht sei.
Eigentlich war der Zyklus im vergangenen Jahr in Paris und Luxemburg vorgesehen – nun markierte er den Neustart in Baden-Baden. In der einstigen „Sommerhauptstadt Europas“, auf die man auch im Festspielhaus immer wieder Bezug nimmt, kommt der europäische Gedanke auf diese Weise vielleicht am schönsten zum Ausdruck: Denn dass die Musiker trotz unterschiedlicher Reisebestimmungen (auch, was den Brexit angeht) nach Baden-Baden kamen; dass sie hier als geschlossene, leidenschaftliche Einheit musizieren – das ist ein kleines Wunder. 

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Kirchenmusik mit höfischem Glanz

"Schätze aus der Landesbibliothek": Arien von Johann Adolph Hasse in der Christuskirche Karlsruhe/ noch wenige Tage online verfügbar

 

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Jeden Sonntagabend ist an der Christuskirche Karlsruhe geistliche Musik in den unterschiedlichsten Formationen zu hören: Chor- und Kammermusik aus Barock oder Romantik, eingebettet in entsprechende Predigttexte. Seit kurzem werden diese Andachten (ursprünglich zur Förderung der Musik in Corona-Zeiten ins Leben gerufen) unter dem Titel „Stunde der Kirchenmusik“ angeboten. Manchmal hört man dort auch echte Raritäten – wie zum Beispiel Arien von Johann Adolph Hasse (1699-1783), der zu den berühmtesten Opernkomponisten seiner Zeit gehörte, der aber heute so gut wie vergessen ist.
Die Sopranistin Sophie Sauter und das Gottesauer Ensemble haben diese „Schätze aus der Landesbibliothek“ gehoben; nachzuhören ist das Programm, das vom Kulturamt Karlsruhe gefördert wurde, auf dem Youtube-Kanal der Christuskirche noch bis zum 7. Juli.  

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Nachtmusik zum Sonnenuntergang

Musikalische Andacht mit Abendliedern und Serenadenmusik in der Evangelischen Stadtkirche Karlsruhe

 

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Um diese Jahreszeit gehört eigentlich das Hofkonzert des Bachchores zu den Fixpunkten im Kalender der Evangelischen Stadtkirche Karlsruhe. Zumindest ein wenig von dieser Atmosphäre – nämlich Vokal- und Serenadenmusik im Innenhof – gab es vor kurzem im Rahmen einer musikalischen Sommerabend-Andacht: Zwei Konzerte waren vorgesehen, und wer den zweiten Termin besuchte (beim ersten musste der Chor wegen Regens in die Kirche ausweichen), der erlebte tatsächlich einen stimmungsvollen Übergang vom Tag zur Nacht in freier Natur, begleitet von entsprechenden Gesängen aus vier Epochen. 

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Musizierfreude in der ganzen Stadt

Musikhochschule Karlsruhe lud zum Festival "Music to go"/ Höhepunkt mit Bach-Kantaten

 

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Es gehört schon zum sommerlichen Lebensgefühl: Mit ihren verschiedenen Ensembles geht die Musikhochschule Karlsruhe regelmäßig hinaus auf die Straße. Raus aus dem so genannten „Elfenbeinturm“, hin zu den Bürgern.
Jazz, Samba, Vokalmusik, oder auch das klassische Kammerorchester sind an sämtlichen Ecken zu hören, wenn die jungen Musiker bei „Music to go“ alljährlich zum großen Freiluft-Musikfest einladen. Im letzten Jahr entfiel das Festival – umso schöner, dass es zumindest im Jubiläumsjahr stattfinden konnte. Ein absoluter Höhepunkt: Bach-Kantaten in den beiden großen evangelischen Kirchen.

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Feines musikalisches Kammerspiel und bissige Satire

Endlich wieder Oper in Karlsruhe: Strauss' Vorspiel zu "Ariadne auf Naxos" und Henzes "Wundertheater" an einem Abend

 

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Wenn das Geschehen auf der Bühne ein stückweit die Realität spiegelt, dann nimmt das manchmal kuriose Züge an. Derzeit beschränkt die Pandemie noch immer die Möglichkeiten in der Repertoire-Auswahl an den Theatern. So bekamen die Besucher der Karlsruher Oper bei der ersten (!) Premiere seit Monaten, bei der wieder Publikum zugelassen war, unter anderem Hans Werner Henzes Erstlingswerk „Das Wundertheater“ zu sehen – ein Stück, das ansonsten so gut wie nie gespielt wird. Davor setzte man das Vorspiel zu Richard Strauss‘ „Ariadne auf Naxos“, und bekanntlich wird hier die Kunst ebenfalls beschnitten, denn zwei völlig gegensätzliche Stücke werden zeitgleich miteinander kombiniert: Das Feuerwerk im Hause des reichen Kunstmäzens soll schließlich pünktlich starten können.
Doch Strauss und Henze haben nicht viel gemeinsam, und so wirkte die Beschreibung im Programmheft, das beiden Stücken ein „Scheitern des Idealismus an der Wirklichkeit“ attestiert, reichlich bemüht.
Den Theaterfreuden tat das allerdings keinen Abbruch. Man ist schlicht dankbar, Kultur wieder vor Ort erleben zu dürfen; außerdem: Der schwelgerische Strauss und dazu der scharfkantige Henze – das ist eine durchaus reizvolle Kombination. (Vorerst sind beide Produktionen allerdings nur noch digital zu sehen.) .

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Die Vielfalt der linken Hand

Die Pianistin Chisako Okano spielte in der Karlsruher Hemingway Lounge

 

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Ein Konzertprogramm, so äußern sich die Pianistin Chisako Okano und ihr Ehemann Michael Bartsch (der die Abende seiner Frau regelmäßig moderiert) – das sei nicht einfach nur „die Aneinanderreihung hübscher Stücke“. Vielmehr brauche es dazu ein Konzept, einen „geistigen Faden“.
Wer mit dem Klassik-Programm der Karlsruher Hemingway Lounge vertraut ist, der hat womöglich schon entdeckt, dass sich Chisako Okano tatsächlich eher außergewöhnlichen Themen widmet: Etwa der Gegenüberstellung von russischer und französischer Musik um 1900, oder auch einzelnen Komponisten wie dem Franzosen Erik Satie, dessen Werk im Konzertsaal selten zu hören ist (unbewusst dürften ihn viele allerdings kennen, denn beispielsweise seine „Gynmopédie Nr. 1“ ist eine beliebte Untermalung in Filmbeiträgen).
Nun standen hauptsächlich Stücke für die linke Hand auf dem Programm, und dabei gab es eine Entdeckung: Den österreichisch-amerikanischen Pianisten Walter Bricht. 

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Ein echtes Sommervergnügen

Operette "Im Weißen Rössl" bei den Heidelberger Schlossfestspielen

 

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Soeben hatte Deutschland mit 4:2 gegen Portugal gewonnen – und nicht nur das brachte nach Ansicht des Heidelberger Oberbürgermeisters Eckart Würzner die Lebensfreude zurück. Vor allem tut dies auch die lange vermisste Kultur: Gemeinsam mit Holger Schultze, dem Intendanten des Theaters Heidelberg, stand Würzner zu Premierenbeginn auf der Bühne im Schlosshof, und beide konnten offenbar ihr Glück kaum fassen angesichts der (unter Corona-Bedingungen) ausverkauften Reihen. Endlich kann wieder vor Publikum gespielt werden, und die vielen Briefe und der Zuspruch der Menschen, so Holger Schultze, hätten gezeigt: „Sie stehen zu ihrem Theater!“
Bereits vor einem Jahr war Ralph Benatzkys „Im Weißen Rössl“ im Rahmen der Schlossfestspiele geplant, jetzt feierte der Singspiel-Klassiker eine gelungene Premiere. 
(Hinweis: Die Vorstellungen sind so gut wie ausverkauft - doch es wird empfohlen, an der Theaterkasse nach Restkarten zu fragen.)

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Intime, erfrischende Szenen

Die Live-Musik ist zurück: Zum Beispiel die Ettlinger Schubertiade mit Schuberts "Schöner Müllerin"

 

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Es dürfte eines der ersten Live-Konzerte in der Region gewesen sein: Kaum traten die neuesten Corona-Lockerungen in Kraft, stand man bei der Schubertiade Ettlingen bereits in den Startlöchern. Eine kleine Rest-Unsicherheit blieb zunächst noch, als der neue Konzerttermin angekündigt wurde. Doch dann war tatsächlich zweimal in der Ettlinger Stadthalle Schuberts Liederzyklus „Die schöne Müllerin“ zu hören: Im Innenraum, vor Saalpublikum. Zu Gast waren vielversprechende junge Liedduos aus der Schubert-Klasse des Pianisten Thomas Seyboldt, dem künstlerischen Leiter der Schubertiade, der zugleich als Professor an der Stuttgarter Musikhochschule unterrichtet.
Nach mehr als neun Monaten Pause – das war in der fast dreißigjährigen Geschichte der Konzertreihe noch nicht vorgekommen – wurde dieses Angebot ausgesprochen dankbar angenommen.

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Inspiriert vom Barock

Sinfoniekonzert der Badischen Staatskapelle mit Werken von Mozart, Strawinsky und Bohuslav Martinu

 

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Was haben Igor Strawinsky und der böhmische Komponist Bohuslav Martinu mit Johann Sebastian Bach zu tun? Nun, auf Anhieb wohl eher wenig, doch im Sinfoniekonzert der Staatskapelle – so erfährt man im Pausengespräch zwischen Mareike Jordt und dem Dirigenten Johannes Willig – gibt es „eine dramaturgische Klammer“. Denn Strawinsky und Martinu (er gehörte zu den interessantesten Komponisten des 20. Jahrhunderts, sein Werk, einst von den Nationalsozialisten verboten, ist hierzulande jedoch kaum bekannt) - griffen beide in ihren Kompositionen auf barocke Formen zurück. Martinu distanzierte sich sogar von der gefühlsbehafteten Romantik.
Im Zentrum des Konzerts stand ein Werk, das nicht neobarock oder neoklassizistisch ist, sondern vielmehr original aus dem 18. Jahrhundert stammt: Mit seinem Flötenkonzert G-Dur (KV 313) trug Wolfgang Amadeus Mozart wesentlich dazu bei, dass sich die Flöte als Konzertinstrument etablierte.
Am morgigen Dienstag, den 8. Juni, ist das Konzert der Staatskapelle Karlsruhe ab 20 Uhr nochmals auf www.dringeblieben.de zu hören.

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Betrug für einen guten Zweck

Seit kurzem "on demand": Mit der Online-Produktion "Gianni Schicchi" meldet sich die Karlsruher Oper zurück

 

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Auf Testamentsfälschung steht bei Dante Alighieri die Höchststrafe. Der Florentiner Dichter, der vor 700 Jahren starb, verbannte in seiner „Göttlichen Komödie“ den Betrüger Gianni Schicchi in den vorletzten Höllenkreis. Dante bezog sich dabei auf einen tatsächlichen Kriminalfall (der übrigens auch seine eigene Familie betraf), und Giovacchino Forzano wiederum, der Librettist der Puccini-Oper, fertigte daraus eine raffinierte Charakterstudie. Der einstündige Einakter „Gianni Schicchi“ bildet den komödiantischen Abschluss in Puccinis „Triptychon“ aus dem Jahr 1918, und weil es hier nicht um große Bilder und psychologische Entwicklungen geht, sondern weil sich die Geschichte vielmehr an einer einzigen Begebenheit entzündet und dann rasant zuspitzt, ist dies eine ideale Oper für Corona-Zeiten.
Seit einigen Tagen steht die Produktion des Karlsruher Staatstheaters als "Video on demand“ auf der Plattform „dringeblieben.de“ zur Verfügung und ist noch bis zum 1. Juni abrufbar. (Daneben stellt das Staatstheater einzelne Ensemble-Mitglieder derzeit in der Online-Reihe „Spotlight“ vor.)

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