Innerer Drang und sanfter Rückzug

Frühjahrskonzert des Max-Reger-Instituts mit Raritäten von Respighi und Reger

 

100325 Reger Fruehjahrskonzert

Parallelen zwischen Max Reger und Ottorino Respighi? Darauf kommt man nicht gleich. Der eine, Respighi, ist der Komponist mit der "Italianità". Der andere, Reger - so formulierte es Stefan König in seiner Einführung - ist der "schwer vermittelbare Nachlassverwalter von Johann Sebastian Bach". 
Doch die Geigerin Anna Sophie Dauenhauer, die bei Ulf Hoelscher an der Karlsruher Musikhochschule studiert hat, und ihr Klavierpartner Lukas Maria Kuen - sie entdeckten solche Parallelen. Heraus kam ein äußerst spannendes Programm zum Frühjahrskonzert des Max-Reger-Instituts in der Karlsburg in Durlach. Erkenntnis des Abends: Die Musik von Respighi hat noch mehr zu bieten als "Pini di Roma" ...

Weiterlesen ...

Zwischen Thron und Liebe in den Wahnsinn getrieben

Rundum gelungen: Donizettis "Roberto Devereux" am Staatstheater Karlsruhe

 

190323 Roberto Devereux

Nein - hier gibt es keine Arien, die man in den Best-of-Alben findet. Nichts, das man nachsingen könnte wie etwa "Casta Diva" oder "Una furtiva lagrima" - zwei Belcanto-Klassiker, die sich längst verselbständigt haben. 
Die Oper "Roberto Devereux" von Gaetano Donizetti hat Brüche, abrupte Stimmungswechsel, sie lässt unvermittelt in seelische Abgründe blicken - und vielleicht ist das ein Grund, weshalb sie so selten gespielt wird. Umso dankenswerter, dass das Staatstheater Karlsruhe - nach "Anna Bolena" - jetzt diese weitere Tudor-Oper herausgebracht hat. Denn in seiner gesamten Tragik und Dramatik ist dieses Werk höchst packend. Und: endlich einmal sind Musik und Regie gleichermaßen überzeugend!

Weiterlesen ...

Von der Not zur Hoffnung

Passionskonzert des CoroPiccolo mit Musik zum Psalm "Aus der Tiefe rufe ich"

 

190317 CoroPiccolo

"Aus tiefer Not schrei ich zu dir" - dieses Kirchenlied von Martin Luther ist die wohl bekannteste Vertonung des Klagepsalms 130. Auch andere Komponisten, wie etwa Mendelssohn oder Brahms, haben sich dieser Verse angenommen, ebenso Zeitgenossen wie der vor drei Jahren verstorbene Kirchenmusiker Rolf Schweizer. Und auch Christian-Markus Raiser, Kantor der Evangelischen Stadtkirche in Karlsruhe und Leiter des CoroPiccolo, ließ sich davon inspirieren. 
Zwei Uraufführungen gab es im Rahmen dieses Chorkonzerts: Insgesamt eine umfassende und eindrucksvolle Betrachtung der Psalmworte.

Weiterlesen ...

Virtuose Gelassenheit, jugendliche Reife

Der Geiger Elin Kolev und der Pianist Triantafyllos Liotis begeisterten in Bruchsal

 

190308 Kolev

Der junge Geiger Elin Kolev ist erst 23 - aber ein erstaunlich abgeklärter Künstler. Unter anderem studierte er bei Josef Rissin an der Karlsruher Musikhochschule; seit zwei Jahren wird er durch das Programm "New Talent" des SWR gefördert und ist mit seinem Partner, dem griechischen Pianisten Triantafyllos Liotis derzeit häufiger auf bedeutenden Konzertpodien der Region zu hören - vor kurzem in Bruchsal im Rahmen der Schlosskonzerte.

Weiterlesen ...

Die reinste Lust am Musizieren

Mitreißender Abend: Dirigent Dieter Köhnlein verabschiedete sich nach 43 Jahren vom Sinfonieorchester des KIT

 

190302 KIT Sinfonieorchester

Eine lange und erfolgreiche Ära ist zu Ende gegangen: Ein letztes Mal stand Dieter Köhnlein im Konzerthaus am Pult "seines" KIT Sinfonieorchesters. Der rührige 82Jährige, im Hauptberuf ehemals Professor für Physik an der früheren Universität Karlsruhe (heute Teil des Karlsruhe Institute of Technology), hatte sich das Dirigieren einst autodidaktisch beigebracht.
Keimzelle des KIT Sinfonieorchesters war ein kleiner Instrumentalkreis, der sich Juni 1976 unter Köhnleins Leitung erstmals auftrat; es entstanden schließlich zwei Klangkörper: Ein Kammerorchester für das Repertoire aus Barock und Klassik, das Sinfonieorchester für die großen Werke der Romantik.

Weiterlesen ...

Nordische (Seelen-) Landschaften

Seltene Nordlichter: Beim vergangenen Meisterkonzert im Konzerthaus Karlsruhe war Musik von Wilhelm Stenhammar zu hören

 

190224 Nordlichter Konzerthaus

Der schwedische Komponist Wilhelm Stenhammar (1871-1927) ist hierzulande so gut wie gar nicht bekannt. Sein Klavierkonzert Nr. 2 d-moll, vor kurzem zu hören in der Reihe der Karlsruher Meisterkonzerte, ist jedoch eine echte Entdeckung.

Weiterlesen ...

Der romantische Mozart

Gabriela Montero und das Orquestra de Cadaqués spielten im Festspielhaus Baden-Baden

 

190223 Montero

Sie trug ein Band mit den Farben ihrer Heimat: Die venezolanische Pianistin Gabriela Montero kommt eigentlich nie auf die Bühne, um enfach nur zu spielen. Sie, die sich ebenso für Menschenrechte einsetzt und deshalb 2015 von Amnesty International zum Ehrenkonsul ernannt wurde, betritt das Konzerpodium meist auch, um ein Bekenntnis abzulegen. Im Jahr 2013 tat sie es im Zuge des Anschlags auf den Boston Marathon; nun erklärte sie, sie spiele für ihr Heimatland - aber "mit einem Lächeln" - und für ihre kranke Freundin, der sie einen Teil des Erlöses ihrer neuen CD überlässt.
Ihre Improvisationskunst - ein besonderes Markenzeichen - war diesmal, auf Zuruf des Publikums, dem kürzlichen Geburtstagskind Georg Friedrich Händel gewidmet.  

Weiterlesen ...

Mystischer Klangzauber

Das Trio Vivente musizierte im Ettlinger Schloss/ Zum Nachhören in der kommenden Woche

 

190217 Trio Vivente

Das Trio Vivente - mit der Geigerin Anne Katharina Schreiber, der Cellistin Kristin von der Goltz (beide unter anderem Musikerinnen des Freiburger Barockorchesters) und der Pianistin Jutta Ernst - brachte im Rahmen der Ettlinger Schlosskonzerte Meisterwerke der französischen Kammermusik in den Asamsaal. Hören kann man das am kommenden Mittwoch, den 6. März, im SWR2 Abendkonzert ab 20.03 Uhr. 

Weiterlesen ...

It' s showtime: Zu viel des Guten ist genau richtig

Karlsruher Händel-Festspiele: "Serse", der schrille Künstler aus Las Vegas

 

190215 Serse KA

Die Vorstellungen der Karlsruher "Serse Show" sind schon seit längerem ausverkauft, aber der Vorverkauf für 2020 hat bereits begonnen: Händels Oper in der Inszenierung von Max Emanuel Cencic hat das Potenzial, so etwas wie einen "Kultstatus" zu erreichen. Jedenfalls war selten eine Produktion in Karlsruhe derart originell.
Der amerikanische Pianist Wladziu Valentino Liberace, dargestellt in der Filmbiografie "Zuviel des Guten ist wundervoll", war der Inbegriff des Schrillen, des Künstlichen: "Mr Showmanship" nannte man den Entertainer aus Las Vegas. Der vielseitige Max Emanuel Cencic - Barockspezialist, Countertenor und Regisseur - entdeckte hier Parallelen zu Händels Bühnenhelden, der übrigens vom Komponisten selbst satirisch dargestellt wird.  

Weiterlesen ...

Museumsnächte machen wahnsinnig

Keith Warners "Elektra" am Staatstheater Karlsruhe hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck

 

190126 Elektra

Dass man eine Oper ins Museum verlegt - wie jetzt Keith Warner Richard Strauss' "Elektra" in Karlsruhe (übrigens eine Ko-Produktion mit dem Nationaltheater Prag und der San Francisco Opera) - das ist nicht neu. Das tat schon 2014 in Salzburg Alvis Hermanis in Verdis "Troubadour". Dort träumt die Museumswärterin des nachts davon, Manricos Geliebte zu sein; die alten Meister an den Wänden werden lebendig.
Ähnliches geschieht jetzt am Karlsruher Staatstheater, und das ist durchaus passend, denn immerhin schlägt diese Darstellung einen Bogen zur derzeitigen Mykene-Ausstellung im Landesmuseum. Das Problem allerdings: Eine solche Inszenierung ist in Wirklichkeit keine.

Weiterlesen ...